Rezension

Mogwai

The Hawk Is Howling


Highlights: I'm Jim Morrison, I'm Dead // Batcat // Scotland's Shame
Genre: Instrumental-Rock // Postrock
Sounds Like: Ostinato // 65daysofstatic // Explosions In The Sky

VÖ: 19.09.2008

Postrock ist ja bekanntlich der neue Indie-Poprock. Naja, musikalisch kaum. Aber ähnlich, wie nach den Debütalben von Franz Ferdinand und Maximo Park alles Alben veröffentlichen durfte, was enge Hosen und einen schicken britischen Akzent vorweisen konnte, häuften sich besonders dieses Jahr Platten voller instrumentaler Songmonster jenseits der Zehnminutengrenze. Kaum verwunderlich, dass neben einigen herausragenden Werken natürlich auch eine Menge Mittelmaß dabei war, das ermüdete Rezensenten in der Hoffnung auf neue Großtaten alter Meister dieses Genres schwelgen ließ. Sinngemäß in etwa "Schön, aber nicht so ergreifend wie Red Sparowes." "Leider nicht so atmosphärisch wie Explosions In The Sky." Oder eben auch: "Lieber auf das neue Mogwai-Album warten."

So hat "The Hawk Is Howling", das mittlerweile sechste Studioalbum der Schotten, nun die undankbare Aufgabe, die Erwartungen zu erfüllen, die angesichts großartiger Vorgängeralben wie "Happy Songs For Happy People" und "Mr. Beast" gehegt werden durften. Denn wenn Mogwai ein Album herausbringen, erwartet man perfekteren Spannungsaufbau in den Songs als in einer ganzen "24"-Staffel, nicht nur Gitarrenwände, sondern gottverdammte chinesische Gitarrenmauern und die ein oder andere Jahrtausendmelodie vom Schlage eines "Friend Of The Night". Doch erwartet man da vielleicht nicht zuviel?

Bereits zehn Minuten nach Beginn des Albums ist man geneigt, die Absurdität dieser Frage mit einem herausgeschrieenen "NEIN!" bloßzustellen. Einschmeichelnde Klavierklänge werden stetig von immer aufdringlicheren Gitarren umspielt und ergeben so den wunderschönen Opener "I'm Jim Morrison, I'm Dead", während das darauffolgende, wütende "Batcat" den genau entgegen gesetzten Weg einschlägt und schon jetzt droht, bei seiner Live-Aufführung die Tinnitus-Erkrankungsraten der Konzertbesucher in ungeahnte Höhen schießen zu lassen. In "I Love You, I'm Going To Blow Up Your School" und "Scotland's Shame" werden jene Stilmittel "Schönheit" und "Lärm" zusammen in den Mixer geworfen und auf einer Unterlage mogwai-eigener Dramatik serviert, während sich das fröhlich wabernde "The Sun Smells Too Loud" schnurstracks den Weg ins Popzentrum des Gehirns fräst.

Und wer wieder einmal so eine Wagenladung Genialität auf eine unschuldige kleine silberne Scheibe pressen kann, dem kann man dann auch verzeihen, wenn einige der atmosphärischen Zwischenstücke wie "Local Authority" oder "Thank You Space Expert" dieses Level nicht erreichen, sondern NUR besser als so gut wie alles andere sind, was im ersten Absatz erwähnte Konkurrenz so produziert. Mogwai sind und bleiben Referenz Nummer Eins. Verdammt nochmal.

Jan Martens

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