Rezension

Mogwai

Mr. Beast


Highlights: Travel Is Dangerous // Friend Of The Night // Folk Death 95
Genre: Psychedelic/ Instrumental Rock
Sounds Like: Aereogramme // Godspeed You! Black Emperor // A Silver Mt. Zion

VÖ: 03.03.2006

Ein richtiges Biest wollen sie uns dem Titel nach vorlegen. Mogwai aus Schottland. Die Krachmeister inmitten musikalischer Schönmalerei. Das haben sie zwar mit ihren vier vorangegangenen Alben bereits getan. Diesmal jedoch, hat man dem Biest die Krallen gestutzt und eine Maske aufgesetzt, denn keiner bekommt mehr eine Gänsehaut bei offensichtlichem Horror. Was Mogwai diesmal vertont haben, ist eine viel subtilere Art der schleichenden Ingefangennahme. Ehe man es bemerkt hat, steckt man bereits tief in den Klauen von "Mr. Beast".

Dem Kenner fällt zuerst die drastische Kürzung der Songlängen auf. Das Popformat von drei bis vier Minuten hat Einzug gehalten. Epische Längen gehören der Vergangenheit an. Doch wer jetzt eine Wandlung zu radiotauglichem Material befürchtet, dem sei gleich alle Sorge genommen. Trotz vieler schöner Melodien bleiben Mogwai nichts für ungeübte Ohren. Zu plötzlich springen auf einmal alles zermalmende Gitarrenwände um die Ecke, zu verstörend ist die Stimmung, zu wenig Gesang findet man schlichtweg auf "Mr. Beast".

Die langsame Steigerung von "Auto Rock" macht bereits viel Lust auf mehr. Ein schönes Piano schleicht sich durchs Gehör, bevor es in einem epochalem Finale aus Elektrogeblubber und sägendem Synthie verschluckt wird. Dann wird erstmal kräftig aufs Gaspedal getreten. Man sieht sich bereits wieder mit blutenden Ohren vor der Bühne stehen, während Mogwai zu "Glasgow Mega-Snake" die Frequenzbereiche neu ausloten. Erholung folgt aber sogleich, wenn "Acid Flood" sich wie ein sanftes Tuch auf das schmerzverzerrte Trommelfell legt. "Travel Is Dangerous" verkörpert alle Neuerungen, die Glasgows Aushängeschild zu bieten haben. Beinahe majestätisch schwingt sich der Refrain zu einer wahren Hymne empor und streckt dem Pathos gleichzeitig Hand und Mittelfinger entgegen. Pop is the new prog! Ein gutes Motto, welches sich auch in gleicher Weise "Friend Of The Night" und "Folk Death 95" zum Vorbild genommen haben. Melodien, die sofort ins Ohr gehen, sich aber trotzdem nicht aufdrängen wollen.

Ex-Pavement Kopf Stephen Malkmus bezeichnete Mogwai mal als "die Band für das 21. Jahrhundert". Nun, das darf natürlich bestritten werden. Für viele wird auch "Mr. Beast" ein Brocken rohen Fleisches ohne Gewürz und Beilage darstellen. Ein Klumpen aus vielen Längen und viel zu lautem Krach. Wer sich aber einmal neue Hörgewohnheiten aneignen will, der kann seine Ohrennahrung hier wunderbar umstellen. Für den Rest sollte der Name Mogwai jetzt zumindest nicht mehr erste Assoziation zu einem spitzohrigen Fellknäuel sein.

Benjamin Köhler

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