Rezension

Editors

The Weight Of Your Love


Highlights: Sugar // Hyena // Honesty
Genre: Rock
Sounds Like: Coldplay // Interpol // Muse // Depeche Mode // U2

VÖ: 28.06.2013

Die Erwartungen an „The Weight Of Your Love“ könnten unterschiedlicher nicht sein. Nachdem „In This Light And On This Evening“ das Fanlager mit dem Verzicht auf Gitarren und der Hinwendung zu elektronischen Sounds spaltete, herrschte bezüglich Album Nummer vier vielfach Skepsis. Die ersten Vorabveröffentlichungen sowie live gespielte Songs mehrten ebenfalls Zweifel und klangen, wie "A Ton Of Love", sehr ungewohnt. Nun ist allerdings sprichwörtlich die Katze aus dem Sack und das Album steht in den Läden.

Elf Stücke finden sich auf „The Weight Of Your Love“, die mitunter recht unterschiedlich sind. Auf bislang keinem Album zeigte sich die Band so variantenreich, allerdings verheißt dies nicht immer nur Gutes. Waren die Editors trotz krassem Soundwandel auf Album Nummer drei immer noch als Editors zu erkennen, hat man auf „The Weight Of Your Love“ das Gefühl, hier wäre eine Coverband am Werke. Dann klingt die Band eben wie im schmalzigen „What Is This Thing“ nach Coldplay, wenn Sänger Tom Smith zeigen will, wie hoch seine Stimme kommt, oder in „A Ton Of Love“ aufgrund der Songstruktur nach U2 oder im Opener „The Weight“ nach einem Mix aus Depeche Mode und Muse.

Allerdings ist das nur die eine Seite von „The Weight Of Your Love“. Die andere sind Stücke wie „Honesty“, „Hyena“, „The Phone Book“ oder das geniale „Sugar“, bei dem die Band in vier Minuten all die verpassten genialen Gitarrenmomente des letzten Albums in einem Song nachholt. Auch das bekannte „Two Hearted Spider“ ist groß geworden, denn es vereint die Elemente, die die Editors bekannt gemacht haben: Der düster angehauchte Rocksound, leicht an New Wave und Post-Punk erinnernd, dazu die Gänsehautstimme von Sänger Tom Smith.

Insgesamt gesehen ist „The Weight Of Your Love“ einerseits die Rückkehr zum „alten“ Sound der Band, verbunden mit einer Handvoll wirklich großartiger Stücke, aber eben auch einigen Songs, die jede Eigenständigkeit vermissen lassen und wie Kopien irgendwann mal erfolgreicher Radiohits wirken, um auch im Formatradio Erfolg zu haben. Dabei hat die Band die teilweise aufgeplusterten, glattgebügelten, mit viel Pathos und Hintergrundchören inszenierten Sound gar nicht nötig, wie sie vielfach an anderen Stellen des Albums zeigt.

Klaus Porst

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