Rezension

Arctic Monkeys

Who The Fuck Are Arctic Monkeys? EP


Highlights: Cigarette Smoker Fiona // No Buses // Who The Fuck Are Arctic Monkeys?
Genre: Pop'n Roll
Sounds Like: The Jam // The Smiths // The Clash

VÖ: 21.04.2006

Invasion folgt auf Invasion. Die Briten führen Krieg. Ihre Waffe ist Musik. Und nie hat es mehr Spaß gemacht, sich erobern zu lassen, als in den letzten paar Jahren. Der jüngste Ausläufer ist allseits unter dem keck nichtssagenden Bandnamen Arctic Monkeys bekannt. Und das Debutalbum ist gerade bei Phase drei angelangt, nachdem Phase eins (Spannung, Neugier, Vorfreude einleiten) und Phase zwei (Erwartungen bestätigen, tatsächlich gut sein, auch etwas unter der Oberfläche bieten) mit ziemlicher Bravour gemeistert worden. Phase drei lautet übrigens: Die nötige Halbwertszeit unter Beweis stellen.

Die jungen Briten schienen sich vor diesem Part ganz schön gefürchtet zu haben. Zurecht? Das sei an dieser Stelle nicht Mittelpunkt des Monologs. Jedenfalls liefern sie uns gemeinsam mit dem bereits auf dem Album erschienenen Song The View From The Afternoon vier neue Unterbeweisstellungen ihres bemerkenswerten Talents und Händchen für den richtigen Rock(!)song. Wobei das fast schon wieder gelogen ist, immerhin befinden sich unter den vier neuen Veröffentlichungen exakt 1,5 ruhige Stücke, die aber so richtig als Balladen auch nicht durchgehen wollen. Zu knackig akkordelt die E-Gitarre, und das Tempo ist vielleicht doch 10-20 Wörter pro Melodiebogen zu hoch. Sei es drum. No Buses, Nummer 4. auf der EP, reiht sich mal eben unter die besten der uns bekannten Songs der Arctic Monkeys ein. So geht das, liebe Kooks. Lady, where has your love gone, I was looking, but can't find it anywhere. Eine Melancholie so bezaubernd in reinen Pop verpackt, dass sich das dicke Wort auf dem Kalendar ganz wie von allein in Julinacht verwandelt. Der zweite Song, Cigarette Smoker Fiona, schlägt in die gleiche Richtung wie das Album und bietet eine Hookline, für die so manche Emoband sämtliche Valentines & Romances hergeben würde. Dabei sind die jungen Briten doch noch viel zu jung für die big emotions.

Und genau verstanden haben die Jungs den ganzen Trubel um sie auch noch nicht. Das wird klar. Man schaue sich nur mal den Titel der EP an. Wie schön, dass es heute noch Selbstironiker in dem ganzen Musikgeschäft gibt. Die Sheffielder wissen, dass sie Niemande sind, und gerade das macht sie so wunderbar greifbar und populär. Sie sind junge Menschen, wie du und ich, und keine Kunstfiguren mit Radioköpfen und der gepachteten Wahrheit. Nichts erfinden sie neu, haben es auch gar nicht vor, werden auch weiterhin ihr eigenes Ding machen und an den ganzen Kritikern mit wehenden Bierfahnen vorbeiziehen. Der gleichnamige Song Who The Fuck Are Arctic Monkeys? übertrumpft, genauso wie die Nr. 4, das meiste von den Monkeys bisher Dagewesene. Mit einem extrem entspannten Ska-Riff machen es sich die Burschen gemütlich, um sich die Frage zu stellen, was das alles alles zu bedeuten hat. Nach genau drei Minuten und elf Sekunden fällt es ihnen wieder ein. Sie sind gekommen, um zu bleiben. Und der aktuellen britischen Musikszene den Rock zu geben, der ihr seit langer langer Zeit so misslich fehlt. Schließlich ist er irgendwo zwischen gelber Presse und Top Of The Pops verloren gegangen. Liest sich das alles hier vielleicht etwas zu liberal und freundlich? What do you know? Oh, you know nothing.

Die Arctic Monkeys haben das Potenzial, ihren mitunter doch etwas abflachenden Vorgänger deutlich zu toppen. Wir sind gespannt. Näheres dann an selber Stelle.

Konstantin Kasakov

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