Rezension

Arctic Monkeys

Whatever People Say I Am, That's What I'm Not


Highlights: The View From The Afternoon // I Bet You Look Good On The Dancefloor // Mardy Bum // When The Sun Goes Down // A Certain Romance
Genre: Retro-Rock-'n'-Roll
Sounds Like: The Libertines // Maximo Park // The Jam

VÖ: 20.01.2006

Niemand weiß vorher, wie eine Rezension anfängt, nichtmal der Autor. Auch diesmal ist die Überraschung gelungen, denn zwar kommen im ersten Wort des ersten Satzes die Buchstaben N, M und E vor, doch es sind nicht die einzigen, und auch an der Reihenfolge müsste offensichtlich etwas geändert werden.

Die Arctic Monkeys sind das, was viele als Phänomen bezeichnen würden, wobei damit nicht unbedingt die jungen Musiker selbst gemeint sind, sondern vielmehr das, was im vergangenen Jahr um sie herum geschah und sie so erfolgreich machte. Die Geschichte in wenigen Kapiteln: 1. Vier Teenager aus Sheffield, England, beschließen, eine Band zu gründen. 2. Sie kommen auf die Idee, Demos ihrer Songs auf der eigenen Internetseite zum Herunterladen bereitzustellen, bevor sie ein Debüt-Album aufnehmen möchten. 3. Auf Druck der rasch wachsenden Hörergemeinde veröffentlichen sie dann doch eine richtige Single, "I Bet You Look Good On The Dancefloor", und stürmen auf den ersten Platz der UK-Charts. 4. Englands Fachpresse dreht durch und die Arctic Monkeys spielen ausverkaufte Konzerte in den größten Venues des Vereinigten Königreichs und Rest-Europas. Und schon sind wir zurück in der Gegenwart: Viele sind genervt von den Lobpreisungen, wollen endlich ein vernünftiges Album hören oder können inzwischen sogar darauf verzichten. Es wäre schade darum, denn wer die Demos vorher mochte, sollte auch an den Album-Versionen seine Freude haben. Und wer die Songs noch nicht kennt, sowieso.

"The View From The Afternoon" bildet mit der bereits erwähnten Durchbruchs-Single das live erprobte Begrüßungskomitee. Richtig, die Platte geht sehr gut los und richtig, danach gibt es ein paar schwächere Songs. Aber man muss ja nicht gleich mit den neuen Libertines rechnen. Auch wenn das hier manchmal gefährlich ähnlich klingt: "Mardy Bum" ist so ein Kandidat, die vielleicht beste Libs-B-Seite, die Carl und Pete noch geschrieben hätten, wäre die Band nicht aufgelöst worden. Ebenso "When The Sun Goes Down", ein typischer Carl-Barât-Song aus der "Up The Bracket"-Zeit, der ruhig beginnt und dann losstampft. In den restlichen Fällen gibt es diese offensichtlichen Überschneidungen nicht, da haben die Arctic Monkeys einen anderen Ansatz, klingen eher nach 70ern als nach 60ern. Sie haben mehr Funk, benutzen öfter die penetrante Hi-Hat, und drehen die Verzerrer der Gitarren von Zeit zu Zeit ordentlich auf. Außerdem trauen sie sich, einen waschechten Fünfminüter ans Ende des Albums zu setzen, den man obendrein getrost als ihr schönstes Stück bezeichnen kann. "A Certain Romance" fängt mit Trommeln an, explodiert, wird ruhig, geht in eine flotte Strophe über und steigert sich dann allmählich bis zu einem riesigen Finale.

Die Frage ist nun, da geklärt ist, dass die Musik zwar sehr gut ist, aber eben nicht die Erfindung des Rades, was die Faszination ausmacht, die tausende britische Teenager die Singles kaufen lässt. Oder im Internet auf dem Message-Board der Band zur Frage bringt, ob man die Haare von Sänger Alex nicht einfach toll findet. Die Texte vielleicht? Themen aus dem Alltag, mit denen sich jeder Jugendliche identifizieren kann. Keineswegs ausgeschlossen also. Oder das Aussehen? Sicher nicht einzigartig. Möglicherweise liegt es auch daran, dass ihr Erfolg einfach so groß ist, man ihnen ansieht, dass sie bei den Konzerten Spaß haben. Der Traum vom Rockstar sieht für die Kids plötzlich so nah aus. Denn die Arctic Monkeys sind welche von ihnen gewesen, ein paar Monate zuvor. Genug Motivation, um eine Band zu gründen? Gut zu wissen - dann stehen uns ja noch einige heiße Newcomer bevor.

Mario Kißler

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