Konzertbericht

Arctic Monkeys


Als die Tourdaten bekannt gegeben wurden, bekamen es viele Fans der neuesten besten Band aus dem Vereinigten Königreich mit der Angst zu tun: Ausgerechnet zu Karnevalsbeginn sollte es die Arctic Monkeys nach Köln verschlagen. Ob die vier Jungs diesen Tag überstehen würden, ohne auf den Straßen umherzuziehen und sich am Rheinufer zu verlaufen?

Diese ohnehin eher unbegründete Sorge sollte vertrieben werden - eine andere dagegen nicht. Schon im Vorfeld wurde über den Support gemunkelt, doch niemand wollte so recht glauben, was da erzählt wurde. Roman Fischer? Was, bitte schön, hat ein deutscher Künstler, den man musikalisch irgendwo zwischen Slut und Monta einorden kann, bei einem Konzert einer Retro-Rock-'n'-Roll-Band aus England zu suchen? Betrachtet man diesen Umstand, lässt sich allerdings sagen, dass er seinen Auftrag trotzdem gut genug erledigte, nämlich den, die Zuhörer auf einen erinnerungswürdigen Abend einzustimmen.

Das Underground war mehr als gut gefüllt, und als Roman Fischer und Band die Bühne verließen, war die Vorfreude genauso zu spüren wie die Spannung auf das Kommende. "The Arctic!"-Schlachtrufe wurden laut, für welche die zahlreich aus England mitgereisten Fans verantwortlich waren, und sie wurden erhört. Unter tosendem Applaus trat die Band auf die Bühne und startete das energiegeladene Set, in dem fast alle wichtigen Songs ihren Platz fanden. Im Publikum gab es nach kurzer Zeit kein Halten mehr, bei manchen Scheinwerfern auch nicht. Die Arctic Monkeys scheinen zu wissen, dass ihre Musik außerordentlich gut und es völlig egal ist, wann sie die Singles spielen und wo sie die allerneuesten Stücke einbauen, da das Niveau sowieso hoch sein wird. Schon als zweites der Hit "I Bet You Look Good On The Dancefloor"? Kein Problem, weil noch so viel mindestens genauso wunderbares kommen sollte. "Mardy Bum" zum Beispiel, oder das live besonders mitreißende "Still Take You Home", einer der Top-Mitsing-Kandidaten: "What do you know? You don't know nothing! But I still take you home, yeah I still take you home".

Überhaupt war die Textsicherheit der Fans erstaunlich, bedenkt man, dass bis jetzt noch immer kein Album, nichtmal eine vollwertige EP veröffentlicht ist. Es lebe das Internet, über das die Arctic Monkeys ihre Lieder schneller als man "I Bet You Look Good On The Dancefloor" sagen kann verbreitet haben... Dass es keine Zugabe gab und somit das Konzert mit weniger als einer Stunde doch recht kurz ausfiel, konnte man verzeihen, da sie den Abend mit ihrem besten Song beendeten. Das Finale von "A Certain Romance" ist nunmal fantastisch und vielleicht wollten sie dem einfach nichts mehr hinzufügen. Wahrscheinlicher ist, dass sie einfach müde waren. Oder sich rar machen wollten. Könnte sein, dass man sie bald wieder vergessen hat, könnte sein, dass sie größer als alles bisher dagewesene werden. Aber wen interessiert das im Moment schon? Ein gutes Konzert ist doch für den Anfang schön genug.

Mario Kißler

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