Rezension

Archive

Restriction


Highlights: Ride In Squares // Ruination // Crushed
Genre: Elektro // TripHop
Sounds Like: Tricky // Massive Attack // Nine Inch Nails // Portishead

VÖ: 09.01.2015

Nur wenige Monate nach dem weniger gelungenen „Axiom“ legen Archive bereits nach. „Restriction“ heißt das neue Studioalbum der Band und ist wieder ein reguläres, typisches Album, nachdem „Axiom“ als Gesamtkonzept aus Film und Musik angedacht war. Bereits drei Singles wurden vorab parallel veröffentlicht. Diese wiesen auf ein breites Spektrum des Albums hin, kein Song passte zum anderen. Einer davon, „Fell It“, macht gleich den Anfang auf „Restriction“. Archive haben eigentlich ein klares Muster, nach dem ihre Songs funktionieren. Ein sich wiederholendes elektronisches Motto, ein paar abwechslungsreiche Einstreuungen und dazu hochemotional aufgeladener Gesang, meist perfekt arrangiert. „Feel It“ ist da anders, hier steht eine unbearbeitete Gitarre im Vordergrund, deren Sound recht rau ist, dem Punk gar entlehnt. Es bleibt allerdings bei einem Experiment in dieser Richtung.

Im weiteren Verlauf zeigen sich zwei Gesichter der Band. Es ist daher sinnvoll, das Album in zwei Hälften zu teilen. Die ersten sechs Stücke sind zu einem großen Teil eher mittelmäßig. „Feel It“ fällt dort heraus und auch der Titeltrack kann sich sehen lassen. „Kid Corner“ und „End Of Our Days“, gesungen von Holly Martin, sind Stücke, die schnell ins Ohr und genauso schnell wieder hinaus gehen. Nichts im Vergleich jedoch zu „Third Quarter Storm“, mit dem Archive ihren gesammten Backkatalog beleidigen. Diese Kitschballade ist etwas für Menschen, die freiwillig „Last Christmas“ hören. Im Juli. Passend zum Weihnachtsmarktfeeling gibt es Glockengeläut am Ende.

Nachdem Maria Q in „Half Build Houses“, einem typischen Song im Stile der ersten Alben Archives, auch noch ihren obligatorischen Auftritt hat, beginnt die zweite Häfte von „Restriction“. Die Songs dort gehören zu den besten, die die Band je geschaffen hat. Allein „Ride In Squares“: Ein zunächst schiefer Drum(computer)beat mutiert zu einem groovenden Monstrum, ehe er jäh unterbrochen wird – nur um später als elektronische Klangexplosion zurück zu kommen. „Ruination“ setzt diesen Kurs fort. Ein schneller, nach vorn drängender Track, der mit den Balladen der ersten Hälfte nichts mehr gemein hat. „Crushed“ setzt noch einen drauf und ist somit fast Industrial. Allein die drei Stücke müssen live so eine Wucht sein, dass es sich schon deshalb lohnt, zu den nächsten Auftritten Archives zu gehen. Die nächsten drei Stücke sind wieder ruhiger, aber keinesfalls schlecht. „Greater Goodbye“ etwa klingt nach Depeche Mode und „Ladders“ zitiert nebenbei das Genre Drone.

Gäbe es nur diese zweite Hälfte, wäre „Restriction“ schon im Januar ein Jahreshighlight. So ist es aber „nur“ ein gutes Album einer Band, die nach dem letztjährigen Ausfall wieder die Kurve kriegt und Gründe liefert, warum sie seit mehr als zwei Jahrzehnten zum Kreis der hoch geschätzten Lieblinge vieler gehören.

Klaus Porst

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Video zu "Feel It"
Video zu "Black And Blue"
Video zu "Kid Corner"

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