Rezension

Archive

Axiom


Highlights: Distorted Angels // Transmission Data Terminated
Genre: TripHop // Elektro // Soundtrack
Sounds Like: Birdpen // Massive Attack // UNKLE // Moderat

VÖ: 23.05.2014

Mit großen Ambitionen starteten Archive das Projekt „Axiom“. Nicht nur neue Musik, sondern gleich den dazu passenden Film veröffentlicht das Bandkollektiv. Wie sehr Film und Musik zueinander wirken, lässt sich leider mangels Screening nicht erfassen, daher behandelt dieser Text hier auch lediglich die Audioversion von „Axiom“.

Diese beginnt mit „Distorted Angels“, schweren Violinen, tiefemotionalem Gesang, welcher sich durch Synthesizer und Basseinsatz zuspitzt. In diesem Punkt ahnt man bereits, dass die Story hinter „Axiom“ eine tragische zu sein scheint, „Distorted Angels“ versprüht Weltschmerz. Es folgt der Titeltrack „Axiom“, der eigentlich ein nachgelagertes Intro ist – ein sehr langes Intro. Rein instrumental, eingeleitet von Glockengeläut fasert dieser Track zehn Minuten vor sich hin, ohne dass musikalisch groß etwas passiert. Nach fünf Minuten geht das Glockengeläut in einen Pendelbeat über, der zum Archive-Standardrepertoire gehört, was fehlt, ist jedoch der passende Gesang dazu. So nimmt dieses Stück nicht nur viel Platz ein – es füllt diesen auch nur unzureichend. Fließend setzt „Baptism“ an, man erkennt einzelne Spannungsfäden, deutlich beschleunigen Tempo und Gesangsschärfe, die Sounds dazu sind Archive-typisch. Leider liegt hier auch das Problem: Die Austauschbarkeit der Bauteile. Trotz immerwährender Lineupwechsel blieb sich die Band immer recht treu in ihrem elektronischen Klangkosmos.

Auf „Axiom“ tritt nun erstmals der Fall ein, dass das, was hier neu sein soll, schon altbekannt klingt. Rausreißen könnte dies der – wie immer mehrstimmige – Gesang. Dieser ist bei Archive von Haus aus pathosbehaftet und tragisch veranlagt. Diese emotionale Tiefe jedoch erreichen nur zwei Stücke – das genannte “Distorted Angels“ und das düstere „Transmission Data Terminated“. In „The Noise Of Flames Crashing“ setzt Sängerin Maria Q an den ersten Archivealben im Triphopstil an – und verliert sich im Nichts. Das darauf folgende „Shiver“ soll den Himmel aufheitern, ist aber deutlich zu schmalzig geworden. „Axiom (Reprise)“ bringt gen Ende die Glocken zurück, so dass mittlerweile ein Drittel des Werkes aus Gebimmel besteht. Es ist schwer einzuschätzen, ob dies dem Spannungsbogen des Filmes hilft und an dieser Stelle die Musik der Handlung untergeordnet ist und ob sich die Bilder vom Sound absetzen können. Hat man nur die Musik auf den Ohren, driften Archive leider zu oft mit ihren lang ausbreitenden Keyboardflächen ins Beliebige ab.

Klaus Porst

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