Konzertbericht

Archive


Ungewohnt beginnt das Konzert von Archive an diesem Dienstagabend in der Columbiahalle. Statt einer Vorband bekommen die Besucher vierzig Minuten lang den Film "Axiom" gezeigt. Danach ist allerdings klar, warum eine solche Aufführung die Seltenheit ist. Ob es an der Qualität des subjektiv schlechtesten Bandoutputs liegt oder daran, dass der Ton dazu sowieso zu leise ist, dass man außer einigen Schreien im Film etwas wahrnehmen können, es interessiert sich niemand dafür, was auf der Leinwand passiert. Einen Vorteil hat das Ganze jedoch: Auf "Axiom"-Songs wird während des restlichen Sets verzichtet.

Dieses beginnt, wie auch das aktuelle Album "Restriction", welches heute Schwerpunkt des Abends ist, mit "Feel It". Es folgen "Kid Corner" und "You Make Me Feel" sowie die Erkenntnis, dass Sängerin Maria Q auf dieser Tour nicht Teil des Kollektivs ist. Dafür bestreitet Holly Martin allein den weiblichen Gesangsteil des Abends und weiß dabei zu überzeugen.

Ein Grund, Archive zu mögen, ist der Hang der Band zum Perfektionismus, der Basis für die Klangkonstruktionen der Band ist. Hochproduzierte Sounds, Klarheit, sowie stetiges Wiederholen sind die Markenzeichen der Alben. Der Grund, warum man Archive live erleben sollte, wird auch an diesem Abend schnell klar: Weil sie, im Gegensatz zu anderen Bands mit ähnlichem Ansatz wie Alt-J, darauf verzichten, ihre Kompositionen einfach nur 1:1 nachzuspielen. Oftmals entwickeln sich die Stücke, wie "Dangervisit", "Numb" oder "Ride In Squares" zu ausufernden Jamsessions, die zum Mitgehen einladen. Überraschend kommt noch hinzu, dass einige Songs sich live erst richtig entfalten, wie "Ladders", dessen basslastiges Intro gefühlt mehrere Minuten lang an Sunno))) erinnert.

Trotz des Umstandes, dass die Hälfte der Stücke an diesem Abend von "Restriction" gestellt wird, fügen diese sich jedoch gut in eine Art Best-Of-Set ein. Das liegt sicher an der erwartbaren Livestärke von "Crushed", "Ruination" und "Ride In Squares". Außerdem spielt die Band viele Fanlieblinge, wie "Bullets", "Numb" oder "You Make Me Feel" – und zum krönenden Abschluss das viertelstündige "Lights". Alles in allem präsentieren Archive eine gelungene Show, wenngleich die Stunde Wartezeit auch sinnvoller hätte überbrückt werden können als mit "Axiom".

Klaus Porst

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