Rezension

...And You Will Know Us By The Trail Of Dead

X: The Godless Void And Other Stories


Highlights: Don´t Look Down // All Who Wonder // Gravity
Genre: Prog-Rock // Art-Rock // Alternative // Post-Hardcore
Sounds Like: Rival Schools // At The Drive-In // Sparta

VÖ: 17.01.2020

Die Historie von ...Trail of Dead könnte kaum bilderbuchhafter sein. Die fast gleichaltrigen Bandmitglieder wuchsen in einer kleinen texanischen Christengemeinde in den USA auf und gehörten im Kindesalter dem ansässigen Kirchenchor an, der unter anderem an internationalen Wettbewerben teilnahm. Im etwas reiferen Alter fanden sie wieder zusammen und fungierten ab da an als ....And You Will Know Us By The Trail of Dead. Seit dem Debütalbum von 1998 ist allerdings von den Kirchenchorwurzeln nicht mehr viel zu spüren, denn die Band steht vor allem für melodiöse Prog-Rock-Songs mit punktuellen Gitarrengewittern. Der bisherige Bandhöhepunkt war sicherlich das 2006 veröffentlichte "Worlds Apart", welches mancherorts sogar zum Album des Jahres gewählt wurde.

Das neue Werk "X: The Godless Void And Other Stories" ist musikalisch keine Überraschung geworden, sondern stützt sich auf altbewährte Stärken. Bestes Beispiel dafür ist die von Akustikgitarren getriebene Vorabsingle "Don´t Look Down", welche schon jetzt als ein Bandklassiker durchgehen könnte mit ihren schönen Melodiebögen und Tempowechseln. Auch viele der anderen Songs halten dieses Niveau. Das in den Strophen beatleesk wirkende "Gravity" mündet gegen Ende in einen traumhaft schönen Refrain, der ans Spätwerk von PJ Harvey erinnert. Oder das ruhig beginnende „Children Of The Sky“, bei welchem sich die Gitarrenspuren im Verlauf immer weiter auftürmen.

Inhaltlich greifen die Texaner, die live nach wie vor gerne mal ihr Equipment zu Kleinholz verarbeiten, fast durchweg apokalyptische Visionen auf und in dem epischen "All Who Wonder" wird sogar das Hesse-Gedicht "Bei Nacht" von einer leisen Frauenstimme rezitiert. Apropos Stimme: Conrad Keely, Sänger und Songwriter von ...Trail Of Dead scheint nach seiner fünfjährigen Auszeit in Kambodscha wieder ordentlich Kraft getankt zu haben, denn sein Gesang wirkt zu jeder Sekunde eindringlich und trifft immer die benötigte Stimmungslage der Genrekonventionen durchbrechenden Songs, die zwischen Prog-Rock, Art-Rock, Alternative und Post-Hardcore hin und her pendeln. Es wird ein Spaß sein „X: The Godless Void And Other Stories”  im Live-Gewand bei ihrer Tournee sehen zu dürfen.

Marcus Schmanteck

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Video zu "Don't Look Down"
Video zu "Something Like This"

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