Rezension

...And You Will Know Us By The Trail Of Dead

Worlds Apart


Highlights: Will You Smile Again? // The Rest Will Follow // Let It Dive
Genre: Prog // Indie // Noise
Sounds Like: Die Schnittmenge aus etwa 50 Bands

VÖ: 24.01.2005

"Ladies and Gentlemen! Willkommen im Rockzirkus, der ihr Leben verändern wird! Auf dem Programm steht eine Reise ins musiklische Wunderland. Ihre Gastgeber sind drei Herren aus Texas, die nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Wir wünschen viel Spaß und vergessen sie nicht, die Kinnlade wieder hochzuklappen!" Hört sich vielverspechend an? Es ist mehr als das! ...Trail Of Dead zeigen, wie man es schafft ein Meisterwerk wie "Source, Tags & Codes" nochmal zu toppen.

Zu einem Trio sind sie mittlerweile geschrumpft, der musikalischen Kreativität scheint dies aber keinen Abbruch getan zu haben. Im Gegenteil! Diesmal wird das ganz dicke Programm aufgefahren, samt Chor und Orchester. Eine Kombination, welche oftmals überladen klingt, wurde hier in monatelanger Kleinstarbeit zu einer perfekten Einheit zusammengeschmolzen. Das Ergebnis blutgrätscht in die Rockszene und lässt den Rest wie Dilletanten aussehen.

In typischer ...Trail Of Dead Manier beginnt man mit einem Wagner- Stück. Wagner? Ja, genau DER Wagner. Ein ganz schön hochnäsiger Beginn möchte man sagen. Aber nichts anderes kommt in Frage, wenn man mit "Would You Smiile Again For Me?" in das Album eintaucht. Ein Übersong mit kongenialem Aufbau: Erst ein rifflastig, scheppernder Antritt, dann der sich langsam erhebende, durch einen Fußstampfbeat begleitende, Textpassagenteil und schließlich ein fulminater Abgang. In 7 Minuten schon mehr gesagt, als manche Musikerkollegen. Weiter gehts mit einem gediegenen "Fuck You, Man!" in den Titelsong, der sich als schwingende Keule für allerhand Mißstände der Welt herauskristallisiert. Nach der wunderbaren Pianooffenbarung "Summer Of ´91" dann das Stakkatointro zu "The Rest Will Follow", einer Indieperle par exellence. Man denkt, noch besser kann es nicht kommen. Das man damit falsch liegt zeigt das anschließende "Caterwaul", welches ich jetzt schon als möglichen Song des Jahres vorschlagen möchte. Die Glanzzeiten von At The Drive- In und den Smashing Pumpkins prallen hier ungehindert zusammen.

Die zweite Hälfte des Albums schließt nahtlos an die Erste an und beweist sogar noch mehr Mut für Neues. Der sich grandios steigernde Mittelteil von "Classic Arts Showcase" wird beispielsweise gospelartig bis zum Höhepunkt getrieben. Die Hymne "Let It Dive" kommt als esoterisch, mächtiger Klangteppich daher um in einen klassischen Polka- Walzer übertzugehen ("To Russia My Homeland"). Da möchte man schon fast Klassik- Fan werden. Das nachfolgende, fast schon als Bluesnummer zu bezeichnende "All White" überrascht ein weiteres Mal mit einem gehörigen Anteil weiblicher Backing- Vocals. Man schreckt auch nicht davor zurück am Ende von "The Best" eine Frau hemmungslos weinen zu lassen. Das gehört eben in den ...Trail Of Dead Kosmos. Dieser schließt sich dann vorerst mit dem Abgesang ""The Lost City Of Refuge".

Wer sich nicht die Deluxe Version sichern konnte, bekommt statt der Bonus- DvD zwei Bonustracks geliefert. Sowohl "Mach Schau", als auch "All Saints Day" stehen deutlicher in der Tradition des Vorgängeralbums, was sie aber keinesfalls schlechter macht. Beide wären auf "Source, Tags & Codes" bestens aufgehoben gewesen.

Mit "Worlds Apart" haben sich ...Trail Of Dead selbst übertroffen und die Messlatte für den Rest der Musikwelt für dieses Jahr in scheinbar unüberwindbare Höhen gelegt. Kaum zu glauben in welche kreative Sphären man da noch steigen könnte, denn irgendwie hat man nicht das Gefühl, als ob die Band schon am Ende ihres Lateins wäre.

Bleibt noch zu erwähnen, dass auch das Artwork und die Bookletgestaltung wieder Seinesgleichen sucht. Pflichtplatte für jeden!

Benjamin Köhler

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