Rezension

Ron Sexsmith

Retriever


Highlights: From Now On // Tomorrow In Her Eyes // Imaginary Friends
Genre: Folk
Sounds Like: Beatles // Elvis Costello

VÖ: 03.05.2004

Es ist schon unglaublich. Da legt ein begnadeter kanadischer Songwriter sein mittlerweile siebtes Studioalbum vor und wieder scheint es niemand so recht mitbekommen zu haben. Von den Kritikern wird er ein ums andere mal in den Himmel gehoben, selbst Musikergrößen wie Paul Mc Cartney und Chris Martin haben eine Vorliebe für den unscheinbaren Ron Sexsmith. Eigentlich verwunderlich, dass er kein größeres Publikum bisher erreicht hat, denn sein Geschick für feinfühlige Geschichten und betörende Melodien kann ihm niemand absprechen. Sicherlich wirkt seine Musik stets retro, Verweise zu Elvis Costello und den Beatles drängen sich geradezu auf.

Was Sexsmiths Liedern auf „Retriever“ sicherlich zugute kommt, ist die Mitwirkung zweier Mitglieder der schottischen Invisibleband Travis, welche die Rhythmussektion übernehmen. Dadurch wirken die meisten seiner Kompositionen druckvoller und weniger durchproduziert, als noch bei seinem letzten Album. Lieder wie „From now on“ oder „Wishing wells“ profitieren ganz deutlich von deren Bass- und Schlagzeugeinlagen, hinsichtlich Hooklines und Textgewandtheit sind diese aber sowieso schon unantastbar. Man hat regelrecht den Eindruck, dass dem zurückhaltende Antipopstar die Ideen und kreativen Meisterleistungen nur so zufliegen.

Einer der schönsten Lieder ist „Tomorrow in her eyes“. Es wird von Smiths sanftem Gesang und der wunderbaren musikalischen Ausarbeitung getragen, es schwebt förmlich auf einem Streicherteppich dahin. Auch das eher im Midtempobereich angesiedelte „Imaginary Friends“ hält diese Klasse und weiß vor allem durch seinen interessanten Text zu gefallen: „Imaginary friends, they will always let you down/ And when all the good times end, you won't be seeing them around/ For they run where the action is and they'll cross you off their list/ Do you comprehend now, to imaginary friends/ You don't exist, no”. Es reiht sich letztendlich Popkunst an Popkunst, kein Lied fällt negativ aus der Reihe.

Man darf nun gespannt sein, wie viele Alben Ron Sexsmith noch veröffentlichen muss, um endlich nicht mehr nur als Geheimtip, als „Invisble man“, gelten zu müssen.

Marcus Schmanteck

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