Rezension

Fleet Foxes

Crack-Up


Highlights: Third of May / Ōdaigahara // Kept Woman
Genre: Folk-Pop-Collagen
Sounds Like: Hjaltalín // Band Of Horses // Grizzly Bear

VÖ: 16.06.2017

Über ein halbes Jahr lang haben die Fleet Foxes die Songs für ihr Album „Crack-Up“ aufgenommen. Dazu waren sie an unterschiedlichen Orten und Studios in den USA unterwegs. Es scheint, als wären diese verschiedenen Orte mit Soundschnipseln in den einzelnen Songs verewigt und spielerisch collagiert eingebaut. Die Tracks auf „Crack-Up“ sind keine kurzgehaltenen Popsongs. Sie sind minimal drei Minuten lang, die meisten über vier Minuten, der Vorabtrack „Third of May / Ōdaigahara“ sogar fast neun Minuten.

Was passiert in diesen doch langen Zeitspannen während der Stücke? Sie bauen sich auf, bauen plötzlich ab, spielen mit Geschwindigkeits- und Lautstärkewechseln. Hört man die Musik über Kopfhörer und dreht an manch einer Stelle laut auf, um die zarten, kleinen, leisen Arrangements besser hören zu können, kommt der Sound im nächsten Moment plötzlich mit Pauken und Trompeten um die Ecke. Das kann an der einen Stelle eine gelungene Variation sein, an der anderen ein unausgewogener Erschreckeffekt. Besonders geglückt sind den Fleet Foxes aber solche Stilbrüche im Track „Third of May / Ōdaigahara“, wenn der Sound sich thematisch bedingt zum Text verlangsamt und plötzlich wieder in voller Geschwindigkeit ausbricht.

Auf „Crack-Up“ sind glänzende Momente zwischen explorativen Parts und orchestral arrangierte, aufwändige, multiinstrumentale Stücke zu finden. Oder aber solche, die durch ihre Einfachheit bestechen. Solch ein Stück ist „Kept Woman“: Gesang, der poetisch und gelassen über einer unaufgebrachten Melodie aus Akustikgitarre und Klavier liegt, mehr braucht es hier nicht. Dass diese Parts gefunden werden können, wenn man nach ihnen sucht, oder genau hinhört, ist hier allerdings das Stichwort. Denn „Crack-Up“ kann auch wunderbar gelassen im Hintergrund laufen, ohne besondere Beachtung zu finden.

Auch, wenn die Fleet Foxes experimentierfreudig auf „Crack-Up“ sind und gleichzeitig ihre unglaubliche Fähigkeit für großartig arrangierte Momente beibehalten, so ist es allerdings kein überragendes, kein überraschendes Album. Es ist einfach nur ein ziemlich gutes Werk, das in seiner Qualität sicherlich einige andere hinter sich lässt, dabei aber nicht besonders im Gehör hängen bleibt.

Marlena Julia Dorniak

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"Third of May / Ōdaigahara"
"If You Need To, Keep Time on Me"
"Fool's Errand"

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