Konzertbericht

Fleet Foxes


Lang, lang ist's her, dass die Fleet Foxes um Mastermind Robin Pecknold Deutschland mit einem Konzert beehrt haben. Pecknold hat in der Zwischenzeit ein ganzes Studium abgeschlossen und der ehemalige Fleet-Foxes-Schlagzeuger Josh Tillman hat als Father John Misty drei Alben veröffentlicht. Und jetzt kommt das dritte Fleet-Foxes-Album "Crack-Up", fünf Jahre nach "Helplessness Blues". Zum Glück ist es schonmal auf Platte so, als wäre die Band nie weggewesen. Doch ist es das auch auf der Bühne? Die beruhigende Antwort: Ja, ist es.

Der kleine Festsaal Kreuzberg ist es an diesem Juni-Sonntag: Hier werden wenige Zuschauer glücklich gemacht, bevor es im November in die große Columbiahalle geht. Doch das hier ist genau der Ort und genau der Zeitpunkt, die Band zu sehen. Die ist frisch und voller Spielfreude, wild werden die Instrumente getauscht, zu sechst sind die Fleet Foxes. Pecknold spielt Gitarre und singt, Bassist, Schlagzeuger, Tastenmensch, zweiter Gitarrist und ein Mensch, der ein bisschen alles macht, was übrig bleibt: Kontrabass, gerne auch mal mit dem Bogen gespielt, Waldhorn, Schellenkranz. Das alles vermischt sich zu einem dichten und guten Sound in einem Set, das eine gute Mischung aus alten Lieblingen und neuen Songs darstellt. Eigentlich bleiben keine Wünsche offen.

Doch nicht nur darüber, welche Songs gespielt werden, bleiben keine Wünsche offen, auch darüber, wie sie gespielt werden. Die Band um Robin Pecknold hat richtig gut geprobt. Teilweise spielt sie elegante Übergänge von einem Song in den nächsten, einzig, wenn es laut wird, wird es manchmal undifferenziert, vielleicht die einzige kleine Schwäche der Band. Über zwei Stunden dauert das Konzert, auch deshalb, weil das Publikum nach der Zugabe, zu der Pecknold erstmal alleine mit Akustikgitarre herauskommt, um in einem wundervoll andächtigen Moment "Tiger Mountain Peasant Song" zu spielen, so lange applaudiert, dass er einfach noch mal kommt. Ungeplant. Etwas verdattert fragt er das Publikum nach Wünschen, und spielt zwei davon – "Montezuma" und "Oliver James". Letzteres hat er nach eigener Aussage jahrelang nicht gespielt und versucht es trotzdem, weil er dem Publikum etwas zurückgeben möchte. Irgendwann fallen ihm die Akkorde nicht mehr ein, und er singt es einfach A Capella zu Ende. So entlässt er das begeisterte Publikum glücklich in die Nacht. Strahlende Gesichter auf und vor der Bühne. Besser könnte ein Sonntagabend kaum laufen!

Daniel Waldhuber

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Rezension zu "Crack-Up" (2017)
Rezension zu "Helplessness Blues" (2011)
Rezension zu "Fleet Foxes" (2008)
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Interview (2008)

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