Rezension

Coheed & Cambria

The Afterman: Ascension


Highlights: Key Entity Extraction I: Domino The Destitute // Mothers Of Men // Key Entity Extraction III: Vic The Butcher
Genre: Prog-Metal-Pop-Punk
Sounds Like: Panic! At The Disco // Protest The Hero // Circa Survive

VÖ: 05.10.2012

Da gibt es also so ein Sonnensystem, das aus 78 Planeten besteht. Einen Erzmagier gibt es, und einen Heiland, und weil letzterer mittlerweile ersteren besiegt hat, nun auch ein Spin-Off mit einer übernatürlichen Energiequelle, die eigentlich eine Art Hölle darstellt.

Oder, anders gesagt: Wem das Science-Fiction-Universum von Perry Rhodan schon immer zu geradlinig war, der hat genügend Gründe, sich in die Alben von Coheed & Cambria zu verlieben. Andere Gründe wiederum hatten diejenigen, die so komplexen wie eingängigen Genremixen aus Prog, Punk, Metal und Pop etwas abgewinnen können – nur, dass diese über die Jahre immer weniger befriedigt wurden: Dass Coheed & Cambria über die Jahre gesehen häufiger mit Linkin Park und Soundgarden statt Thursday und Thrice zu touren begannen, machte sich auch im Sound bemerkbar, nach dem mit Feuerzeugballaden geschwängerten „Year Of The Black Rainbow“ schrie Kollege Barnard gar nach Auflösung.

Es mag der baldigen Verfilmung der Amory-Wars-Saga geschuldet sein, dass Mastermind Claudio Sanchez nun doch die Kuh namens Coheed & Cambria vom Eis zerren möchte – was natürlich auch nicht ganz ohne Überreste früherer Entwicklungen funktioniert: So kann man aus der streichergeladenen Titelballade geradezu den Schmalz hinausschütteln und ein Song wie „Goodnight Lady“ könnte durchaus die eine oder andere Gewitterwolke inmitten all des Sonnenscheins gebrauchen. Doch sind dieses Gott sei Dank ziemliche Ausnahmefälle: „Mothers Of Men“ in etwa steigt mit einem Riff ein, das dem des heimlichen Bandhits „Welcome Home“ in nichts nachsteht und diesem in Sachen Refrain sogar so ziemlich die Schau stiehlt. „Key Entity Extraction II: Hollywood The Cracked“ wiederum zeigt, dass sogar New-Metal-Anleihen zu etwas gut sein können und mit dem beinahe achtminütigen „Key Entity Extraction I: Domino The Destitute“ lassen Coheed & Cambria Eingängkeit und Komplexität endlich mal wieder so zähnefletschend aufeinander los, wie dies seit ihrem Opus Magnum „In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3“ kaum geschehen ist.

Dass man sich hin und wieder wünscht, Claudio Sanchez könnte einfach mal sein komplettes Universum im nächsten Outro explodieren lassen, um beim Songwriting endlich mal dem Song – anstelle der zu erzählenden Geschichte – den Primat einzuräumen, nur um zu sehen, was dann erst für Musik herauskommen könnte – seit ca. fünf Jahren mittlerweile wohl unumgänglich. Bis Anfang nächsten Jahres wird dies allerdings wohl unrealistisch sein – für dann ist schließlich „The Afterman: Descension“ festgesetzt. Wie bei jeder guten Saga heißt es also: To be continued.

Jan Martens

Sehen


Video zu "Domino The Destitute"

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.