Rezension

Coheed & Cambria

The Afterman: Descension


Highlights: Number City // Gravity's Union // 2's My Favorite I
Genre: Rock
Sounds Like: Panic! At The Disco // Protest The Hero // Circa Survive

VÖ: 22.02.2013

Wer hätte das gedacht? Da scheint es, als würde uns Travis Stever von Coheed & Cambria einen Bären aufbinden wollen, als er in unserem Interview mit ihm von den Bläsern spricht, die sich ja potentiell auf „Descension“, dem zweiten Teil des „Afterman“-Doppelalbums, befinden könnten. Doch siehe da, „Number City“, beinahe dem Swing zuzuordnende Trompeteneinsätze und die Erkenntnis: Diese Band will einfach nicht stagnieren.

Dass genau dieser Wunsch nach steter Weiterentwicklung noch bei „Year Of The Black Rainbow“ ziemlich in die Hose ging, werden nur wenige bestreiten,. Doch mit „Afterman“ scheint die Band ihren Mittelweg gefunden zu haben: Immer verschiedene Variationen ihrer eigentlichen Stärke – von Rocksongs, die sich zu sehr in den Ohrwurmhöhlen einnisten, um noch wirklich unter dem Stempel „Prog“ durchzugehen, aber auch zu viele Ecken und Kanten haben, zu viele wirre Wendungen nehmen, um schon das Präfix „Pop“ zu verdienen.

Wer mag, darf sich dazu noch mit dem Science-Fiction-Universum beschäftigen, in das Claudio Sanchez die Musik seiner Band einbettet – zum Genuss von Coheed & Cambria nicht nötig, jedoch wahrscheinlich, um „Pretelethal“, den relativ trägen Einstieg in „Descension“, wertschätzen zu können. Was darauf aber folgt, sind gleich zwei unglaublich intensive, kraftvolle Rocksongs, die sich hinter den (mittlerweile auch schon vier Alben zurückliegenden) Glanztaten der Band eigentlich kaum verstecken müssen. Wäre nicht kurz darauf noch eine Durststrecke durch die Wüste dreier luftloser (Power-)Balladen zu durchstehen (von „Away We Go“ bis „Dark Side Of Me“), wäre in Zukunft vielleicht sogar „Descension“ als neue Referenz zu nennen gewesen – aber Supportslots für Linkin Park oder Soundgarden lassen wohl keine Band unverdorben zurück.

Wenn dann aber zum Ende des Albums noch die metaphorische, mit der Aussage „SO schreibt man Radiosongs“ gekoppelte Ohrfeige an viele kontemporäre Genrekollegen folgt, haben sich Coheed & Cambria ihren Platz in der Liste relevanter und kreativer Rockbands mit Kraches wieder erobert – nur der Sache mit dem Banjo, welches Travis Stever uns ebenfalls als mögliches zukünftiges Soundelement nannte, wollen wir dann doch nicht ganz glauben. Andererseits – zuzutrauen wäre es ihnen.

Jan Martens

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