Rezension

Vampire Weekend

Vampire Weekend


Highlights: Oxford Comma // A-Punk // Cape Cod Kwassa Kwassa // I Stand Corrected
Genre: Indie-Pop
Sounds Like: The Strokes // Talking Heads // Phoenix // The Shins // The Coral // The Unicorns

VÖ: 29.02.2008

"Die Musik [...] erschüttert den Begriff Indierock in seinen Grundfesten und macht Vampire Weekend zur ersten Sensation in 2008. [...] Die Mischung aus Rock und Afro-Pop ist so ungewöhnlich wie aufregend anders." Wann wurden eigentlich das letzte Mal vergleichbare Ankündigungen seitens des Labels durch die dazugehörige Musik gerechtfertigt? Und - fast noch interessanter, für den folgenden Text in jedem Fall essentieller - trifft das Gelaber auf Vampire Weekend überhaupt zu?

Zunächst jedoch: Wer sind Vampire Weekend? Die Antwort: Vier junge Musiker aus New York, die zusammen eine Band haben. Was an sich freilich schon eine gute Voraussetzung für einen weltweiten Hype ist. Aber es kommt noch besser, denn die vier Bandmitglieder lernten sich an der Columbia University kennen, und das Motto der Uni lautet immerhin: "In lumine tuo videbimus lumen." In deinem Licht werden wir Licht sehen. Ist das nicht ein traumhafter Leitspruch für einen Hype?

Blödsinn, hochgradiger. Fort von irreführenden Lobpreisungen, hin zur Musik. Denn im Endeffekt sind es auch bei Vampire Weekend die einzelnen Songs, die die entscheidende Frage nach gut oder schlecht beantworten - in diesem Fall mit einem lauten und deutlichen "sehr gut". Zwar wird hier weder der Indierock in seinen Grundfesten erschüttert (welche Grundfeste eigentlich?), noch ist das Debüt der New Yorker eine Sensation - und soviel Afro-Pop wie auf dem Infozettel draufsteht, ist sowieso nicht drin -, doch das will vermutlich keiner mehr wissen, sobald "Vampire Weekend" einmal durchgelaufen ist.

Insofern ist das natürlich schon eine Sensation. Und wenn man "Cape Cod Kwassa Kwassa" hört, versteht man auch, was mit dem eher hilflosen Afro-Pop-Vergleich gemeint ist. Stichwort: Handtrommeln. Sonst zeichnen sich Vampire Weekend vor allem durch die hell klingenden Gitarren aus, die einen angenehm oft an die Talking Heads erinnern. Die gelassene zweiminütige Eröffnung "Mansard Roof" mit dem großartigen Streicherarrangement weiß ebenso zu begeistern wie das darauf folgende "Oxford Comma", das aus Freunden der Strokes auch Freunde von Vampire Weekend machen dürfte. Ähnlich funktioniert "I Stand Corrected". Dann wären da noch das Schlagzeug im Road-Runner-Tempo im grandiosen "A-Punk", die Shins-Hommage "Bryn", das sorglose "M79", oh, und das hier ist auch toll und das da auch, und das danach besonders...

Vampire Weekend sind es wert, angehört zu werden, weil ihr Debüt in jedem Moment die richtige Balance zwischen Selbstbewusstsein und Bescheidenheit findet; weil es zu diesem Zeitpunkt dennoch das kompromissloseste, vor allem aber schönste Frühlingsalbum 2008 ist. Wer an dieser Stelle noch eine Antwort auf die anfängliche Frage erwartet, hat irgendwas nicht verstanden.

Mario Kißler

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