Rezension

The Black Keys

Attack & Release


Highlights: Strange Times // So He Won`t Break // Psychotic Girl
Genre: Bluesrock
Sounds Like: Led Zeppelin // The Doors // Wolfmother

VÖ: 28.03.2008

Es ist doch erst März. Draußen schneit es, die Temperaturen liegen knapp am Gefrierpunkt und die Sonnenbrille liegt noch verstaubt in der Ecke. Ist es wirklich schon Zeit für ein sommerlich-entspanntes Bluesrock-Album? Denn was die Black Keys auf „Attack & Release“ anbieten ist definitiv keine Musik für graue Tage. Das wohl lässigste Album dieses Jahres nimmt den Blues von Led Zeppelin, ohne die oftmals vorhandene metallische Schwere und kombiniert sie mit der Unbeschwertheit der Doors.

Völlig verschlafen swingt sich „All You Ever Wanted“ daher, psychedelische Wah-Wah-Effekte und Orgel laden zum zurücklehnen ein. „I Got Mine“ zeigt erstmals auf, was für groovende Melodien in diesem Werk stecken und vor allem, wie viele Soundschichten zwei Musiker allein erschaffen können. Nun gut, von ein paar Gastmusikern abgesehen. Ebenso „Strange Times“, ein Rocksong zum Mitklatschen und -tanzen. Allein der Gitarrenlauf hat ungefähr den Coolnessfaktor einer übergroßen Ray-Ban-Sonnenbrille aus den Siebzigern.

„Psychotic Girl“ holt das Banjo hervor, sofort fühlt man sich weit weg von hier, zwischen Mississippi und endlosen Feldern des Mittleren Westens. Eben dort spielt auch „Lies“, ein verstaubtes, trockenes Trauerlied über die kleinen und großen Lügen der Liebe, dessen Einsamkeit sowohl Lyrics („I Got A Stone, Where My Heart Should Be/ And Nothing I Do Will Make You Love Me“) als auch Instrumente sehr gut widerspiegeln. Eines der absoluten Highlights ist gegen Ende „So He Won’t Break“, bei dem Schlagzeug und Gitarre so genial zusammenarbeiten, dass man sich nicht entscheiden kann, ob das nun extrem chillig ist, oder zum rhythmischen Bewegen animieren soll.

Alles, was die Black Keys und Produzent Danger Mouse (genau, der von Gnarls Barkley) hier auf CD gepresst vorlegen, eignet sich mehr als gut, laue Sommertage ein- und ausklingen zu lassen, immer ein Lächeln im Gesicht hinterlassend oder auch mal beseelt in die Ferne schauend. Wenn jetzt noch der Frühling einsetzt, der kalendarisch vor zwei Tagen begann, werde ich wohl viel rausgehen. The Black Keys werden mich dahin begleiten.

Klaus Porst

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