Rezension

Sophie Hunger

Supermoon


Highlights: Die Ganze Welt // The Age Of Lavender // Heicho
Genre: Singer-Songwriter // Pop // Jazz
Sounds Like: Amanda Palmer // Cat Power // Emiliana Torini

VÖ: 24.04.2015

Kalt, ein bisschen abweisend und trotzdem irgendwie schön und anziehend. Eigentlich ist es egal, ob man über die Person Sophie Hunger oder ihre Musik spricht. Die Adjektive, mit denen man beide beschreibt, liegen meistens nah beeinander. Daran wird sich auch durch ihr neues Album „Supermoon“ nicht viel ändern. Denn immer noch durchzieht Hungers Gesamtauftritt ein seltsamer Charme, dem man gerade in seiner Komplexität und weniger aufgrund einzelner Nuancen erliegt. Denn bei der Schweizer Sängerin, Multi-Instrumentalistin und Komponistin muss man gar nicht genau verstehen, warum es funktioniert. Trotzdem tut es das jedes Mal.

Natürlich ist "kalt und abweisend" an dieser Stelle ziemlich übertrieben gewesen, denn ob nun zu Beginn des Albums in „Mad Miles“ oder dem ähnlich rockigen „We Are The Living“, Hunger hat warme Seiten voller Liebe und Genuss. Immer wieder klingt die Melange aus Rock und Jazz wie eine ausgelassene Jam-Session im Keller eines hippen Bezirks einer Stadt wie Berlin. Noch besser wird es allerdings immer dann, wenn der Schmerz spürbar ist. Bei den ersten Bassklängen von „The Age Of Lavender“ fühlt man sich beispielsweise sofort an „The Partizan“ von Leonard Cohen erinnert und wenn Hunger dazu auf Französisch davon singt, dass sie nicht mehr geliebt wird, dann ist das mindestens ähmlich emotional wie die Lieder des kanadischen Großmeisters.

Überhaupt ist es ein kleines Wunder, wie die Schweizerin zwischen vier Sprachen wechselt, als wäre es nichts. Sei es Deutsch, Englisch, Französisch oder wie beim Song „Heicho“ auf Schweizerdeutsch, alles wirkt verspielt, ohne den Hörer mit gekünstelter Überemotionalität zu überfordern. „Supermoon“ ist stetig hin und hergerissen zwischen Melancholie und Lebenslust und wird am Ende trotzdem zu einem Album, das in das Gesamtkonzept Sophie Hunger passt. "Schön und anziehend" sind jedenfalls Worte, die bei dieser Musik nicht übertrieben sind. Und was die Kälte angeht, lässt uns Frau Hunger jedes Album ein Stück weiter an sie ran. Auch das funktioniert ziemlich gut.

Arne Lehrke

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