Rezension

Sophie Hunger

The Danger of Light


Highlights: LikeLikeLike // Das Neue // Holy Hells // The Fallen
Genre: Singer-Songwriter // Pop // Folk // Jazz
Sounds Like: Emiliana Torrini // Norah Jones // Fiona Apple

VÖ: 05.10.2012

Sie ist das Mädchen von nebenan, das mit „Monday’s Ghost“ Feuilletonisten in halb Europa reihenweise den Kopf verdrehte. Eloquente Texte, vorgetragen von einer glasklaren, selbstsicheren Stimme, verpackt in ausgekochten, eigensinnigen Arrangements – was Sophie Hunger vor vier Jahren zum Kritikerliebling aufsteigen ließ, gehört auch auf ihrem neuesten Werk „The Danger Of Light“ nach wie vor zu ihren größten Stärken. Denn auch wenn die mittlerweile 29-jährige Schweizerin in den letzten Jahren ganz schön durch die Weltgeschichte getingelt ist und die neuen Songs unter prominenter Beteiligung von Produzent Adam Samuels (John Frusciante, Warpaint) und Howard Bilerman (Arcade Fire, Vic Chesnutt) in Frankreich, Los Angeles und Montreal aufgenommen wurden, bleibt sie ihren ursprünglichen Klangwurzeln weiterhin treu.

Die in dem Zusammenhang so treffende Frage „Where is my revolution?“, die sich Hunger im zackigen Opener “Rererevolution” selbst stellt, wird im Endeffekt also mit einem gleichgültig anmutenden Schulterzucken quittiert. Warum sollte man sich aber auch ein Bein ausreißen und in dem Irrglauben, sich neu erfinden zu müssen, den gefährlichen Schritt in unbekanntes Terrain wagen, wenn das Altbewährte immer noch derart frisch klingt, dass es selbst auf Album Nr. 4 noch blendend funktioniert? So wandelt Hunger vielmehr souverän und lässig wie eh und je auf den von ihr selbst so sorgsam ausgetretenen Pfaden, ohne dabei auch nur den Ansatz von Langeweile aufkommen zu lassen. Denn wie sie im jazzigen, von Kontrabass, gedämpfter Trompete und sanfter E-Gitarre regierten „Perpetrator“ selbst so selbstbewusst und unanfechtbar bekundet: „I move with grace and elegance“.

Es ist diese so unbeirrbare Leichtigkeit und Eleganz, die Hunger an den Tag legt, gepaart mit dynamischen, dramaturgisch ausgesprochen ausgefeilten Arrangements und ihrer extrem wandelbaren Stimme, die selbst jeder noch so simplen Ballade ihren ganz eigenen Stempel aufzudrücken weiß. Ob nun ein subtiles Trompetensolo dem unheilschwangeren „Souldier“ das Sahnehäubchen aufsetzt, das unwiderstehliche „LikeLikeLike“ im Refrain mit einer unerwartet frechen Hookline aufwartet, in „Can You See Me?“ elektronische Farbtupfer gesetzt werden oder stürmische New-Orleans-Bläser „Holy Hells“ zum Lodern bringen – meist sind es die kleinen Details, die die Songs erst ihre volle Wirkung entfalten lassen.

Alles, was auf „The Danger Of Light“ zunächst noch recht unscheinbar wirkt, wie das von dezenten Percussion-Spielereien eingeleitete „The Fallen“, bekommt schnell Ecken und Kanten verpasst – hier, indem das Klavier plötzlich die Zügel an sich reißt und vor den aufbrausenden Bläsern davon galoppiert. Die sehnsüchtige Klavierballade „Z’Lied vor Freiheitsstatue“ wiederum bezaubert vor allem durch ihre so ungewöhnliche Erzählperspektive, wird sie doch aus der Sicht der Freiheitsstatue selbst vorgetragen – und das auch noch in feinstem Schwyzerdütsch. Letztendlich muss man sich aber gar nicht erst in Hungers Lyrik, ihrer so unheimlich viel Gefühl transportierenden Stimme und den so erhabenen Posaunen- und Trompeteneinsätzen verlieren, um zu verstehen, welches Talent in der Frau schlummert. Man muss einfach nur aufmerksam die Ohren spitzen, wenn sie – nur mit Akustikgitarre und Mundharmonika bewaffnet – einen simplen Folksong wie „Take a Turn“ in ein kleines Zauberwerk verwandelt.

Paulina Banaszek

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