Rezension

Son Lux

Bones


Highlights: Flight // Undone // I Am the Others // This Time
Genre: Elektro // Klassik // Progressive
Sounds Like: Radiohead // Portishead // Fever Ray // The Knife // Ez3kiel

VÖ: 19.06.2015

Son Lux – das ist eigentlich der Multiinstrumentalist Ryan Lott. Seit einiger Zeit jedoch sind Son Lux zu dritt, Lott holte sich noch Drummer Ian Chang und Gitarrist Rafiq Bhatia ins Boot. Trotz verstärktem Team ist dennoch unklar, wie sie es schaffen, den Sound von „Bones“, dem vierten Album unter diesem Namen, mit der normalen Anzahl an Händen und Füßen zu erschaffen. „Bones“ klingt wie eine Explosion im Instrumentenladen, zig Soundschichten, Einflüsse und Melodien spielen sich zeitgleich ab oder wechseln im Sekundentakt.

Nur 39 Minuten ist „Bones“ lang, dennoch scheinen bei jedem Hören aufgrund der Fülle an Eindrücken Stunden zu vergehen. Verschiedenste Motive tauchen kurz auf, verschwinden wieder, um in späteren Songs im Hintergrund wieder aufzutauchen. Was die Band hier an Ideen pro Song verbraucht, reicht eigentlich für mehrere Alben. Im Vergleich zu den reinen Soloalben Lotts sind Son Lux nun als Trio noch dichter, noch spielfreudiger, noch gewaltiger.

Der Refrain von „Change Is Everything“ beispielsweise ist als schräger Chor in „This Time“ noch einmal zu finden, Wortfetzen von „Breathe In/Breathe Out“ ziehen sich durch diverse Stücke. Dazu ist „Bones“ völlig überfüllt mit Soundschnippseln, ohne jedoch verkopft zu wirken. Selbst die wildesten Brüche, wie in „Flight“, scheinen sich Puzzlestück für Stück zu einem riesigen Ganzen zu verbinden. Und nicht zuletzt ist es der Gesang, der mit seinem Pathos die Fetzen zusammenhält. Zum einen Lotts eigener Gesang – bemerkenswerterweise an Carla Bozulich und Beth Gibbons erinnernd. Dazu tauchen zum anderen immer wieder seichte, helle Frauenvocals wie in „White Lies“ auf, die trotz aller Sperrigkeit Licht ins Dunkel bringen.

„Bones“ ist alles, bietet düstere Balladen („I Am the Others“) genauso wie monumentale Aufbauten, die in Sekundenbruchteilen völlig reduziert werden („You Don’t Know Me“). „Undone“ besticht durch anfängliches Tribaldrumming, welches mit einem sanften Hängemattengitarrensolo endet und „Breathe Out“ setzt dem Album ein operettenhaftes Ende. Dabei könnte es noch Stunden so weiter gehen.

Klaus Porst

Hören


Link zu "You Don't Know Me" auf Soundcloud
www.soundcloud.com/son-lux/you-dont-know-me-1
Link zu "Change Is Everything" auf Soundcloud
www.soundcloud.com/son-lux/change-is-everything

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