Rezension

Sivert Høyem

Endless Love


Highlights: At Our Evening Table // Handsome Saviour // Inner Vision
Genre: Rock // Balladen
Sounds Like: Madrugada // Nick Cave // Mark Lanegan

VÖ: 23.05.2014

Nachdem „Long Slow Distance“ ein sehr rockiges, seiner Vorgängerband Madrugada recht ähnlich geratenes Album war, sprach Sivert Høyem über Zukünftiges: Er wolle sich etwas mehr auf seine Stimme fokussieren, die Komplexität der Arrangements reduzieren und essentieller klingen. Gesagt, getan: Auf dem neuen Werk „Endless Love“ stehen weniger breite Sounds und Gitarrensoli im Vordergrund als Høyems markante Stimme. Textlich dreht sich wie üblich alles ums Lieben und darum, darin zu scheitern.

So, wie höchstens noch Nick Cave, Blixa Bargeld oder Tom Waits begibt sich Høyem in die Rolle des stilsicheren, eleganten Herren, der das Unglück magisch anzuziehen scheint. Sein großes Kapital ist die dazu passende Stimme, diese warme Dunkelheit, die gleichzeitig klagen und schmachten kann. Das allein reicht eigentlich schon aus, um regelmäßig gute Alben zu veröffentlichen. Für die herausragenden Momente jedoch bedarf es einiger Elemente mehr – und diese sind auf „Endless Love“ rar. Zwar kann Høyem wunderbare Melodiebögen erzeugen, wie „At Our Evening Table“ oder „Handsome Saviour“ zeigen. Auf Albumlänge jedoch mangelt es der Fokussierung auf Balladen an Abwechslung.

Man vermisst Songs wie „Shadows / High Meseta“ oder „Long Slow Distance“, die die gediegene Atmosphäre auflockern oder auch mal kleinere Schwachstellen überbrücken. Zwar sind die Stücke auf „Endless Love“ bis auf „Wat Tyler“, für das man Country mögen muss, einzeln genommen nicht schlecht, nur geht ihnen auf Dauer etwas die Luft aus. „Little Angel“ oder „Ride On Sisters“ etwa bleiben alles andere als im Ohr. Høyems Stärke war es bislang immer, so wunderbar mit Harmonien zu spielen, dass bestimmte Songs sich sofort festsetzen, auf „Endless Love“ geht vieles im immergleichen Grundrauschen unter, es fehlen die Ausbrüche, das spannungsgeladene Zusammenspiel zwischen laut und leise – so ist dieses Soloalbum trotz hohem Niveau zu handzahm.

Klaus Porst

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