Rezension

Sivert Høyem

Moon Landing


Highlights: Shadows/ High Meseta // Lost At Sea // The Light That Falls Among The Trees
Genre: Rock
Sounds Like: Madrugada // Nick Cave & The Bad Seeds // Mark Lanegan

VÖ: 26.02.2010

Heimlich, still und leise wurden Madrugada 2008 aufgelöst. Nach dem Tod von Robert Buras folgte noch die Veröffentlichung eines Albums, eine Tour und das war es dann. Man mag dies konsequent nennen – bestand die Magie Madrugadas im Grunde aus zwei zusammen eingesetzten Elementen – Buras‘ Gitarrenspiel und der Stimme Sivert Høyems. Das etwas fehlt, wenn einer der beiden nicht beteiligt war, konnte man an Høyems ersten Soloalben sehen, die trotz dessen Gänsehautstimme ziemlich durchschnittlich waren. Nun der Neustart nach dem Ende. „Moon Landing“ heißt das 2010er Werk und soll die entstandene Lücke schließen.

Was es auch ohne Probleme schafft. Verantwortlich dafür wohl insbesondere die Backing-Band, die das Soloalbum einspielte. Eine Tonleiter hoch und runter, viel Pathosattitüde und ordentliche Laustärke: „Beladorado“ ist keine der bluesig angehauchten Balladen, die Høyem manchmal ein wenig zu ruhig wirken ließen. Große Gesten, eingängige Rock, man könnte fast Stadionkompatibilität unterstellen, wäre dies nur nicht immer noch ein Schimpfwort. In gleichem Schritt läuft der Titeltrack nebenher. Einfache Akkorde, eingängiger Refrain und doch etwas besonderes. Dann allerdings, an zweiter Stelle, ist sie doch da. Die Ballade. Top oder Flop, Große Gefühle oder großer Kitsch, bei Balladen gibt es kein dazwischen. „The Light That Falls Among The Trees“ schafft jeweils ersteres und ist somit großartig. Wenig später zeigt allerdings „Going For Gold“ auch, wie man es nicht machen sollte.

„Moon Landing“ schließt nahtlos dort an, wo Madrugada aufgehört haben. Eine Unterscheidung der Bandalben von diesem Soloalbum ist so gut wie unmöglich, was vielleicht auch daran gelegen haben mag, dass Teile der Exband auch an dieser Platte mitgearbeitet haben. Und nebenbei wurde mit Shadows/High Meseta wohl einer der besten Songs der (Band-)geschichte geschrieben. Das düstere, anfangs psychedelisch angehauchte, sich immer weiter zu einem riesigen Berg aufbauende Stück reizt für diesen Musikstil recht viele extreme aus. Ansonsten bietet „Moon Landing“ recht viel Bluesrock von „Empty House“  über „What You Doin‘ With Him“ bis hin zum „House Of The Rising Sun“-Cover auf der Bonus-CD der ersten Auflage. „Moon Landing“ schafft es somit ansatzweise, über die Trennung von Madrugada hinwegzutäuschen und dort anzuknüpfen, wohin sich die Band vor ihrem tragischen Ende hinentwickelt hatte.

Klaus Porst

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