Rezension

Bloc Party

Hymns


Highlights: Only He Can Heal Me // Different Drugs // So Real
Genre: Indietronic // Elektro // Ambient // Lounge // IDM
Sounds Like: Kele Okereke // Editors // Killers // Jamie XX

VÖ: 29.01.2016

Bloc Party, so scheint es, sind auf der Suche nach einem neuen Selbst. Schade, mag der eine oder andere denken, das alte Selbst, insbesondere die ersten beiden Alben „Silent Alarm“ und „A Weekend In The City“, waren und sind Meilensteine. Aber „Zeiten ändern dich“ und daher sind Bloc Party 2016 nur die Hälfte der Bloc Party bis zum letzten Jahr und der Sound der Band komplett anders als erwartet. Oder auch nicht? Denn schließlich veröffentlichte Mastermind und Sänger Kele Okereke mittlerweile einige Soloalben, zuletzt „Trick“ vor zwei Jahren. Genau jener Sound von „Trick“ durchzieht „Hymns“ von der ersten bis zur letzten Sekunde.

„Hymns“ geht den Weg, den auch schon die Editors oder Killers eingeschlagen haben: Hängen wir die Gitarren (größtenteils) an den Nagel und machen jetzt was Elektronisches. Wie in jeder Ausprobierphase sind die Resultate recht differenziert. Einiges gelingt, einiges nicht. Der Opener des Album etwa, „The Love Within“, ist stumpfer Jahrmarktstechno, den nur sein Tempo an einer gemeinsamen Nennung mit David Guetta und Co. hindert. Versöhnlich kommt dann „Only He Can Heal Me“, welches als cleveres IDM-Stück beginnt und dann sogar noch eine schwelgerische Gitarrenlinie gen Ende einbaut. „So Real“ kopiert dieses Schema, eignet sich noch ein wenig mehr dafür, als Loungemusik irgendwo zu laufen. Bestenfalls bei hippen Kleiderläden zum Shoppen. Bloc Party kratzen nicht mehr, beißen nicht mehr, man könnte auch sagen, sie werden erwachsen.

Tatsächlich strahlt „Hymns“ aus, die wilden Zwanziger hinter sich gelassen zu haben. Die Suche nach neuen Aufgaben gestaltet sich dabei aber mitunter schwierig, wie etwa die klamaukige Westernnummer „The Good News“ beweist. Passt weder zu Bloc Party noch zu diesem Album. Vielleicht hätte Okereke „Hymns“ auch wieder unter seinem Namen herausbringen sollen. Das 2-Step-Stück „Fortress“ etwa, oder das sehr dichte „Different Drugs“ ergänzen sein Solowerk ideal. „Different Drugs“ gelingt dabei das Kunststück, fünf Minuten lang großartig Atmosphäre zu schaffen, um dann in den letzten 30 Sekunden durch eine hochgepitchte Frauenstimme wieder die Karte Rummeltechno auszuspielen.

„My True Name“ orientiert sich hörbar an Depeche Mode, mit „Virtue“ hat „Hymns“ dann nochmal einen echten Tanzflächenhit dabei, während „Exes“ nach Radiohead klingt und „Living Lux“ den Clubrausschmeißer markiert und dieses Übergangsalbum beendet. Etwas ratlos ist man nach „Hymns“. Elf einzelne Puzzlestücke, die aber zusammen kein Bild ergeben. Highlights hier, Ausfälle da und irgendwo die Ahnung, wie Bloc Party in Zukunft klingen werden, wenn es denn eine gemeinsame solche als Band gibt.

Klaus Porst

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