Rezension

Bloc Party

Silent Alarm


Highlights: Like Eating Glass // Helicopter // Banquet // This Modern Love
Genre: Indie // New Wave // Electro
Sounds Like: Franz Ferdinand // Kasabian // The Faint // Interpol // The Cure

VÖ: 14.02.2005

Da sind sie also, der Hype des Jahres. Monate vorher schon ekstatisch von der britischen Presse in den Himmel gelobt und das obwohl gerade mal zwei Singles, sowie eine EP veröffentlicht waren. Mittlerweile nimmt man das natürlich nicht mehr so ernst, da allein der NME jede Woche eine neue Band als das nächste "große Ding" in den Himmel lobt. Doch irgendwie konnte man sich Bloc Party nicht entziehen. Nach einer Europa- Tour mit Interpol, der Dauerrotation von "Banquet" in den Indie- Discos und der nicht nachlassen wollenden Publicity, kam man zur Erkenntnis, dass da doch was an der Band dran sein musste.

Was also macht Bloc Party so besonders? Nun diese Frage wird bereits durch den besten Opener seit langer Zeit beantwortet. "Like Eating Glass" zeigt in voller Bandbreite zu was diese Band fähig ist und durch welche Säulen sie getragen wird. Da wäre an erster Stelle die Stimme von Sänger Kele Okereke zu nennen. Irgendwo zwischen Robert Smith und Karl Hyde verleiht er jedem Song eine zusätzliche, eigentümliche Note. Musikalisch besticht man durch Gitarrenlinien, die jeden Synthesizer alt aussehen lassen, einem unglaublichen Drumspiel, das so variantenreich ist, aber dennoch nie deplatziert wirkt und einem bereits sehr ausgereiften Gespür für das perfekte Songwriting.

Die bereits bekannte Single "Helicopter" folgt und schnell wird klar: So etwas frisches und knackiges gabs schon lange nicht mehr und bestürzt merkt man wie bitter nötig das war! Die wunderbaren Tempiwechel sind geradezu prädestiniert für die Tanzfläche. Gleiches gilt für "Banquet", welches zusätzlich noch einen absoluten Überrefrain vorweisen kann. Doch wer jetzt denkt, dass Bloc Party ausschließlich leicht verdauliche Hits abliefern, der liegt gehörig falsch und das ist auch gut so! Denn gerade die etwas sperrigeren Nummern wie das hektische "Price Of Gas", das Acid angehauchte "Positive Tension", oder das atmosphärisch drauflospolternde "Luno", sorgen hier für Abwechslung und unkaputtbaren Hörgenuß.

Wenn bei einer solch kreativen Explosion dann noch Substanz für bezaubernde Balladen vorhanden ist, dann hat man alles richtig gemacht. Und die gibt es in der Tat in Form des träumerischen "Blue Lights", dem Gänsehaut entfachenden "So Here We Are" und dem schlichtweg entwaffnenden "This Modern Love". Besonders letzterer Song besticht durch eine bittertraurigen Melancholie, wie es zuletzt nur den Meistern dieser Spielart, Interpol und den Smshing Pumpkins, gelungen ist.

Einziger Wehmutstropfen bei diesem Geniestreich ist tatsächlich die Länge des Albums. Ein oder zwei Songs, besonders am Ende, wären sicher verzichtbar gewesen. Doch das kann dem Gesamteindruck auch nicht mehr wirklich schaden, denn hier beweißt eine Newcomer Band, wie man es tatsächlich noch schafft, ein ganz neues Genre aus dem Boden zu stampfen und dabei auch noch völlig ohne Retro Rock auszukommen. Believe The Hype!

Benjamin Köhler

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