Rezension

Ben Folds

Supersunnyspeedgraphic, The LP


Highlights: There's always someone cooler than you // Bitches ain't shit // Bruised // In between days
Genre: Pop
Sounds Like: Eels // Elvis Costello // They Might Be Giants

VÖ: 20.10.2006

Am 12. September dieses Jahres feierte er seinen 40. Geburtstag. Kann man eigentlich gar nicht glauben. Ben Folds ist nun so alt wie meine Eltern. Wahnsinn. Aber wundert ja keinen, dass einen das so wundert. Schließlich: Kennt irgendwer jemanden, der sich so gut gehalten hat? Eben! Erste Erfolge damals mit seinem Quintett-Trio. Vier Alben mit der Band, davon das letzte bei Sony. 1998 das erste Soloalbum, 2001 das zweite und letztes Jahr das dritte. Auch alle bei Sony. Gegönnt haben wir es ihm alle. Schließlich ist er stets sich und seinem Sound treu geblieben. Hat immer in die Tasten gehauen, als gäbe es kein morgen mehr. Und hat mit seinen Melodien Herzen, Türen, Poren und Fenster geöffnet. Dabei auf Gitarren verzichtet und trotzdem besser gerockt, als die meisten anderen.

Pathos? Gerne. Wenn er von Folds stammt. Und jetzt eine Sammlung der besten Songs seiner EP's. Gute Sache! Rum kommen dabei nämlich so unglaubliche Songs wie "Learn to live with what you are", welches es locker schafft einem einen typischen Folds-Schauer über den Rücken zu jagen. Oder das grinsende "There's always someone cooler than you", welches genau das Thema behandelt, welches im Titel angedeutet wird. Ist der Mann wirklich schon Vierzig? Nicht zu glauben. Ein weiteres Highlight ist das urkomische Dr. Dre-Cover von "Bitches ain't shit". Ich meine, das muss man sich vorstellen: Folds' zarte Stimme säuselt zu weichen Klavierakkorden das hier: "Bitches ain't shit but hoes and tricks / Lick on these nuts and suck the dick / Gets the fuck out after you're done / And I hops in my ride to make a quick run". Wirklich groß. Äußerst bereichernd auch, wie Folds diesem HipHop-Klassiker regelrecht neue Facetten abgewinnt. Außerdem ist nun erklärt, wieso da ein "Parental Advisory"-Sticker auf der Hülle prangt.

Kann sich vielleicht noch jemand an die Kollabo-EP von The Bens erinnern? Dabei waren: Ein Zuckerpopper aus Australien namens Ben Lee und die Indie-Schrulle Ben Kweller aus den USA. Beide äußerst erfolgreich daheim. Ben Harper hat wohl scheinbar nicht ins Team gepasst. Von der gemeinsamen EP wird jedenfalls "Bruised" gefeatured. Absolut hitverdächtiger Edelpop, ohne Fehl und Tadel. Wirklich großartig. Dann gibt es noch die schmissige Up-Tempo Nummer "Dog", das vielleicht etwas unnötige The Darkness-Cover "Get your hands off my woman" und eine der schönsten Folds-Balladen namens "Still". Noch viel mehr. Und noch viel mehr. Der Titel der Scheibe lautet nicht umsonst "Supersunnyspeedgraphic", also die geballte Faust aus "Speed Graphic", "Sunny 16" und "Super D". Schön, dass er uns daran teilhaben lässt. Auf die nächsten vierzig Jahre.

Konstantin Kasakov

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