Rezension

Ben Folds

Songs For Silverman


Highlights: Jesusland // Time // Prision Food
Genre: Rock-Pop
Sounds Like: Keane // Badly Drawn Boy // Rufus Wainwright

VÖ: 25.04.2005

Die Welt ist erleichtert. "Songs For Silverman" ist veröffentlicht und kein Unglück ist passiert. Wie das gemeint ist? Nunja, "The Unauthorized Biography Of Reinhold Messner" von seiner damaligen Band Ben Folds Five kam am 20.April 1999 - der Tag des Amoklaufs in Littleton. Der Nachfolger "Rockin' The Suburbs" dann ca. 2 1/2 Jahre später am 11. September 2001 - daran müsste sich noch jeder gut erinnern können. Diesmal ging aber glücklicherweise alles gut. Man konnte sich entspannt zurücklehnen und den zuckersüßen Pop-Balladen Ben Folds' zuhören. Einfach so.

Der mittlerweile 38-jährige Folds aus North Carolina zeigt zum zweiten Mal in Albumlänge, dass er auch auf Solo-Pfaden unschlagbar eingängige wunderschöne Pop-Songs schreiben kann. Auf seiner im Herbst 2004-erschienenen EP-Trilogie "Speed Graphic", "Sunny Sixteen" und "Super D" spielte er noch so gut wie alle Instrumente selbst ein, auf dem neuen Longplayer wurde er hingegen von Jared Reynolds am Bass und Lindsay Jamieson am Schlagzeug tatkräftig unterstützt. "Ich hatte einfach keine Lust mehr, immer nur für mich selbst zu spielen, ich war erschöpft", sagt Folds rückblickend. "Als ich angefangen habe, nach den richtigen Musikern zu suchen, musste ich mich nicht lange umschauen. Lindsay ist ein völlig Verrückter an den Drums und Jared spielt Bass mit großer Leidenschaft, sie passen perfekt zu meiner Musik – und außerdem wohnen sie nicht weit weg von mir."

Wenn man die CD das erste Mal einlegt wird eines ganz schnell klar: Die Musik hat nicht an Qualität verloren. Hauptbestandteil ist immernoch das Klavier, das durch wundervolle Melodien besticht. Ben Folds' Stimme tänzelt außerdem wie gwohnt gut verständlich und mit viel Kraft über den Songs und Schlagzeug und Bass begleiten das Ganze auf höchstem Niveau im Hintergrund. Ja, das ist es, was ein schönes Pop-Album ausmacht.

"Jesusland" ist wohl eines der besten Lieder, die er je geschrieben hat. Was zuerst wie ein schiefer Kirchenchor klingt, wird schon nach wenigen Sekunden, wie am Ende des ersten Absatzes schon kurz angedeutet, zu einer zuckersüßen Pop-Ballade. Es herrscht wieder das Gefühl, welches man nur beim Hören der Alben Ben Folds' (Five) bekommt. Die Single "Landed" hat, wie fast alle Songs, einen riesigen Ohrwurmfaktor, "Gracie" klingt am Anfang zwar ziemlich stark nach "Flyswatter" von Eels, das verzeiht man bei einer solch großen Anzahl von Hits aber gerne, und das für's Album extra neuaufgenommen "Give Judy My Notice" kommt in der neuen Version gleich nochmal ein bisschen frischer. Die CD macht Spaß! Im melancholischen "Late" beschäftigt sich Folds mit dem Tod vom im Jahre 2003 verstorbenden Songwriter Elliott Smith. "Elliott, man, you played a fine guitar, And some dirty basketball, The songs you wrote, Got me through a lot, Just wanna tell you that, But it's too late".

Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass sich Ben Folds nicht wirklicher groß weiterentwickelt hat - Das ist auch gut so. Denn nach einer knappen 3/4-Stunde ist man froh endlich mal wieder 11 schöne Pop-Songs am Stück gehört zu haben. Es ist Musik, die man fast immer hören kann: Ob man gerade abends einschläft, ob man gerade morgens aufsteht, ob man gerade verlassen wurde oder ob man gerade die Liebe seines Lebens gefunden hat. Ganz egal. "Songs For Silverman" ist meistens eine gute Wahl.

Paul Weinreich

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