Rezension

Bat For Lashes

The Bride


Highlights: Sunday Love // Close Encounters // I Will Love Again
Genre: Art-Pop // Songwriter // Avantgarde
Sounds Like: Björk // PJ Harvey // Leonard Cohen

VÖ: 01.07.2016

Nach dem gequälten Mann („The Haunted Man“) 2012 kommt nun also „The Bride“, und Natasha Khan aka Bat For Lashes ist endgültig in der Welt des Konzeptalbums angekommen. „The Bride“ ist wie ein Film, nur ohne Bilder. Kein Hit, kein herausstechender Song, ein am Stück geschriebenes Werk. Es geht um eine Braut, deren Bräutigam nicht zur Hochzeit erscheint, da er bei einem Autounfall tragisch zu Tode kommt. Das auf den ersten Blick klischeehaft wirkende Konzept mit einer Braut auf dem Cover, das zunächst an Romantik und Tradition rührt, ist nur der Rahmen, der Hintergrund für ein Album über Verzweiflung und die Aufarbeitung eines unmittelbaren Traumas, die sich musikalisch und textlich miterleben lässt.

Musikalisch war Bat For Lashes noch nie so minimalistisch. Schon immer ist ihre Musik der perfekte symbiotische Partner zu ihrer Stimme, doch hier ist es wirklich nur bloße Untermalung. Spärliche Synthies, Klavierakkorde, Streicher, die große Teile der Platte eigentlich nur mit der Stimme mitschwingen und fast nie in den Vordergrund treten. Hier erinnert Natasha Khan sogar an Leonard Cohen, einfach in diesem Stil: Es wird eine Geschichte erzählt, und das Album ist nur das Mittel dazu. Und das reicht vollkommen aus, Khan hat kein Problem, nur mit ihrer Stimme und einer Geschichte eine Platte zu füllen. Schon immer war sie gut darin, Charaktere zu erschaffen („Laura“, „Daniel“ etc.), doch hier zieht sie einen Charakter von der Höhe in die Tiefe und wieder zurück nach oben, und der Hörer begleitet ihn dabei, in allen Emotionen.

Dabei stehen selbstverständlich Emotionen des Verlustes im Vordergrund. „Honeymooning Alone“ ist tragisch. „Sunday Love“ der einzige etwas schmissigere Song, aber auch nur, weil er in einem manischen Heartbreak zerfällt. Im großartigen „Close Encounters“ wird der Beziehung nachgetrauert, fantastisch, wie sich ganz behutsam ein Chor in den letzten Refrain einschleicht. Hier dient wirklich alles der Begleitung von Khan und ihrer Geschichte. Wenn es am Ende heißt „I Will Love Again“, und Khan sich „In Your Bed“ begeben kann, atmet der Hörer auf. Er oder sie hat gerade eine tiefgehend inszenierte Geschichte durchlebt.

Daniel Waldhuber

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