Interview

Blackmail


Einen Monat nach der Veröffentlichung von "Tempo Tempo" kamen Blackmail auf die zugehörige Deutschland-Tour. Diese Gelegenheit nutzten wir, um mit dem Sänger Aydo Abay über eben jenes sechste Album der Koblenzer zu reden.

"Tempo Tempo" ist schon seit einigen Wochen veröffentlicht. Wie seht ihr euer neues Album jetzt in der Nachbetrachtung?

Aydo Abay: Ich finde das immer noch super. Gerade jetzt live - wir sind heute den vierten Tag auf Tour - sind die Lieder 'ne Bombe, und die machen richtig Spaß. Es gibt keinen Song, den ich ungern spiele. So einen Song hatten wir eigentlich auf allen Platten, aber diesmal ist das nicht so. Ich weiß nicht, ich find die Platte echt super.

Trotzdem spielt ihr wahrscheinlich nur eine kleine Auswahl, oder?

Aydo: Wir könnten alle spielen...

...außer "Pas De Tristesse" vielleicht...

Aydo: ...und "Speedluv". Alle anderen spielen wir auch fast. Nee, wir mussten ein bisschen rausnehmen, weil wir sonst drei Stunden auf der Bühne stehen würden. Wir versuchen aber auch, von den alten Alben viel zu spielen. Nur die ersten beiden mussten wir jetzt erstmal rausnehmen, die kommen dann im Herbst wieder mit rein.

Ich muss jetzt auch mal sagen, dass ich euch auf dem Highfield letztes Jahr richtig, richtig geil fand. Vielleicht lag's am Wetter, am Publikum oder an der Anlage, ich weiß es nicht. Die Albumtour davor dagegen - da war ich in Nürnberg - fand ich eher mau.

Aydo: Nürnberg war aber auch Scheiße. Aber das haben wir jetzt gelernt, dass - wenn die Leute nicht von Anfang an dabei sind - du die auch kriegen musst. Das ist ja eigentlich dein Job. Aber damals war mir das echt irgendwie zu blöd. Da habe ich mich schon gefragt, wieso ich mich noch mehr anstrengen solle, wenn die Zuschauer überhaupt nicht reagieren.

Wieso? Was war denn das Problem?

Aydo: Naja, die standen da einfach nur so rum. Die haben dann geklatscht, wenn der Song zu Ende war, aber du hast irgendwie kaum Bewegung gesehen. Da stand einer direkt vor mir und hat mich die ganze Zeit so angeguckt und sagte immer nur so "Danke! Danke!" . Und ich dachte halt, der verarscht mich. Und dann habe ich den weggeschickt, wodurch es ein bisschen lockerer wurde. Aber das hat mir dann auch Leid getan, weil ich zwar dachte, der verarscht mich, aber anscheinend war der ein großer Fan. Man lernt ja immer noch dazu. Jetzt in Bochum war's zum Beispiel auch so, dass die nicht von Anfang an mitgegangen sind, und dann musst du halt doppelt Gas geben.

Wie viele Leute sind denn mittlerweile so auf euren Konzerten?

Aydo: So 500 im Schnitt, würde ich sagen. Das sind eigentlich echt schon ziemlich viel.

Als ihr euch an das Schreiben des Albums gemacht habt, kam da irgendwann mal die Idee auf, in eine ganz andere Richtung zu gehen?

Aydo: Wir hatten viel probiert, sag ich mal. Wir hatten auch vor, viele Gäste einzuladen, damit die eigenen Input reinbringen. Das hat aber nicht gepasst, und diese Verbiegung, dass man jetzt unbedingt etwas Neues erfinden muss, hat uns auch nicht geschmeckt. Deswegen haben wir das sein lassen und einfach nur an den Songs gearbeitet. Wir haben jetzt sechs Platten rausgebracht, die vielleicht nicht so besonders unterschiedlich sind, aber, wie ich finde, in sich geschlossen gut. Ich meine, wenn einer das nicht hören kann, dann muss er ja auch nicht. Dann kann auch er weghören (lacht).

Es gibt schon Leute, die euch mehr oder weniger vorwerfen, dass man jeden eurer Songs auf jede eurer Platten packen könnte.

Aydo: Und genau das finde ich eben nicht. Das Songwriting wird immer ausgefeilter, wir verzichten zum Beispiel jetzt auch auf ziemlich viel. "Weniger ist mehr" ist so das neue Motto. Ausufernde Parts hätten wir früher länger gelassen, aber die kürzen wir jetzt so, dass sie uns nicht nerven und dass du die Platte auch durchhören kannst. "It's Always A Fuse..." hätte man zum Beispiel zehn Minuten durchspielen können. Ich hätte das ja super gefunden.(lacht)

Macht ihr das bei Konzerten, dass ihr einige der neuen Lieder in sehr langen Versionen spielt?

Aydo: Gerade "It's Always A Fuse..." hat sich mittlerweile schon um einiges verändert, alle anderen sind noch ähnlich wie auf Platte.

Es heißt auch, dass ihr bei "Tempo Tempo" sehr viele Spuren verwendet hättet.

Aydo: Eigentlich bin ich dafür der falsche Ansprechpartner, da müsstest du Kurt fragen. Aber bei manchen Songs ist es schon so, dass wir geschichtet haben bis der Arzt kommt. Häufig ist das aber auch ganz minimal gehalten und die Gitarren sind einfach nur gedoppelt. Je nachdem.

Das Album gab es dieses Mal auch auf USB-Stick zu kaufen, noch dazu habt ihr auf eurer Webseite geschrieben, dass man Handkameras zu den Konzerten mitbringen soll. Sind das so neue Wege, die ihr als Band gehen wollt?

Aydo: Ach, das mit den Handkameras vergesse ich immer anzusagen. Eigentlich wollen wir, dass die Leute filmen, wie sie auf's Konzert gehen und sich vorbereiten. Und dann sollen die hier noch einen Song filmen und uns das zuschicken, und dann werden wir daraus einen Videoclip machen. Die USB-Sache wollten wir unbedingt machen. Aber das ist - glaube ich - eher so ein Gimmick. Auf Tour merken wir jetzt zum Beispiel, dass das keine Sau kauft. Warum auch, wenn du schönes Vinyl und ne CD da liegen hast?

Ich wundere mich auch, wieso man das kaufen sollte. Es sei denn natürlich, man braucht sowieso ´nen USB-Stick...

Aydo: (lacht) Bei Portishead hab ich jetzt was Geiles gesehen. Die haben so ne große Vinylbox rausgebracht und da haben die einfach einen USB-Stick reingeknallt. Da ist ne Single drin, das Album und der Stick, kostet aber auch gute 50 Euro. Kauf ich aber trotzdem.

Noch kurz eine Frage zum Cover: Das ist ja jetzt wieder ähnlich plakativ geworden wie bei "Friend Or Foe?", und man kann auch sehr schön eine Aussage reininterpretieren. Nach welchen Kriterien seid ihr da vorgegangen?

Aydo: Ich wollte auf jeden Fall etwas sehr Plakatives. Etwas, das man gut als Trademark verwenden kann. Wenn man das sieht, soll klar sein, dass das unser Cover ist. Sei es an Bauzäunen, auf MySpace oder sonstwo. Wir haben wirklich ewig gesucht, bis dann im Endeffekt das dabei rauskam. Ich finde das Cover noch nicht mal richtig schön. Wir hatten eigentlich noch viel bessere Vorschläge. Aber die haben alle nicht das erfüllt, was wir wollten.

Matthias Kümpflein

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