Rezension

Xiu Xiu

Woman As Lovers


Highlights: F.T.W. // No Friend Oh! // Black Keyboard
Genre: Indie-Rock // Singer/Songwriter // Weird
Sounds Like: The Paper Chase // Arcade Fire // Bright Eyes // M.I.A.

VÖ: 01.02.2008

Die wenigsten dürften wissen, wer oder was sich hinter dem Namen Xiu Xiu versteckt. Trotz fester Band kann man durchaus von einem Singer/Songwriter sprechen: Jamie Stewarts "Quasi-Soloprojekt" wird von den Musikern Cory McCulloch, Caralee McElroy und Devin Hoff unterstützt, die im Schnitt mindestens 15 Instrumente beherrschen müssen, wenn man sich das Endprodukt "Women As Lovers" anhört.

Viele Instrumente bedeuten nicht zwingend "schwere Kost" - diesmal schon. Xiu Xiu ist eindeutig nicht der passende Soundtrack für den anstehenden Frühjahrsputz und sowieso nichts für schwache Nerven. Jedes Lied fordert den Hörer zum Kampf heraus. Es wird gelitten, geschwitzt und verzweifelt. Einzige Ausnahme ist das vergleichbar poppig geratene Queen/Bowie-Cover "Under Pressure", das wie der kurze Ausflug durch die dichte Wolkendecke zum blauen Himmel im dritten Matrix-Teil daherkommt. Die anderen 13 Stücke befinden sich eindeutig unter dieser.

Eins muss man Stewart dabei lassen: Er schafft es, den Hörer zu berühren. "So rare is an album where the listener feels just as emotionally spent as the musicans who performed it.", schrieb schon das Billboard Magazine über den mindestens ebenbürtigen Vorgänger "La Foret". Eine Aussage, die erneut zutrifft. "Black Keyboard" beinhaltet den erhabensten Moment der 44 Minuten Gesamtspielzeit. "Be free. Laugh at your son. A child is nothing without hate. Be certain he feels his love is trash." - und das mit einer derart zerbrechlichen Stimme vorgetragen, dass sie glatt von Conor Obersts auf "Fevers And Mirrors" zerschlagen werden könnte.

Um nochmal auf den Schwierigkeitsgrad der Lieder zurück zu kommen, betrachten wir nur einmal die ersten fünf Sekunden von "F.T.W.". Sekunde 1 klingt nach The Cure, Sekunden 2-4 klingen nach Clap Your Hands Say Yeah und Sekunde 5 nach Bright Eyes - so geht das in einer Tour! Kein einziges Lied sprengt die 4-Minuten-Marke und gleichzeitig hat kein Lied (wieder Ausnahme "Under Pressure") weniger als vier Songideen in sich. Also zuerst putzen und dann anhören.

Paul Weinreich

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