Rezension

Xiu Xiu

Dear God, I Hate Myself


Highlights: Dear God, I hate Myself // Gray Death // Chocolate Makes You Happy
Genre: Industrial/Indie
Sounds Like: Liars // Casiotone For The Painfully Alone // The Magnetic Fields

VÖ: 26.03.2010

Das Kokettieren mit dem Selbsthass ist spätestens seit Morrissey ein etabliertes Instrument der Popmusik. Deshalb mag es uns fast entgehen, wenn Jamie Stewart die neue Platte seines Projektes Xiu Xiu plakativ „Dear God, I Hate Myself“ betitelt. Und alles klingt so schwer, wiedermal, im Tone dieser Musik, die sich um Genregrenzen so wenig schert wie um die Vermittlung einer positiven Lebenshaltung.

Im Clip zum Titelsong etwa lässt sich der Schokolade mampfende Stewart neben seiner würgenden Kollegin Angela Seo filmen, eine Szene, die filmisch erläutert, was musikalisch nebeneinander stattfindet. So passiert schon im Opener „Gray Death“ etwas, das man kaum für möglich hält: Aus der Tiefe der Traurigkeit, des Selbsthasses und der Dunkelheit erhebt sich mit aller Kraft ein melodisches Wunderwerk, das die Sorgen zu Beginn fast vergessen lässt. „Chocolate Makes You Happy“ ist der Hit des Albums, eine catchy Melodie erhebt sich über Broken Bells und schwebt über einem Zerrbass – Industrial meets Indie. Die Drums klatschen elektronisch daher und applaudieren den verrückt spielenden Synthieausflügen. Das ist schon sehr abgedreht, wie hier aus dem tiefsten Schwarz der menschlichen Seele eine Platte zwischen den Bänken entsteht. IDM, 80s Pop, Industrial und Indie-Pop verschmelzen zu einer Musik, bei der man nicht weiß, ob man nun lachen oder weinen soll.

Stewarts Stimme klingt wie kurz vor dem Nervenzusammenbruch und hat dennoch die Kraft, mit Worten einen interpretationslosen Zynismus zu skizzieren, dessen Humor so dunkel ist wie die Seele, dem er entspringt. Dabei ist es umso erstaunlicher, dass dieser Platte so grandiose Harmonien, gar aufhellende Songs entspringen, wie man sie von jemandem, der sich an der Klippe stehend darstellt, nicht erwartet.

Andreas Peters

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