Rezension

Wolfmother

New Crown


Highlights: How Many Times // Feelings
Genre: Retrorock
Sounds Like: Kadavar // Led Zeppelin // The Black Keys // Black Sabbath

VÖ: 23.03.2014 (Import)

Ist das nun als Kampfansage oder als Selbstaufgabe zu verstehen, wenn Wolfmother ihr neues Album „New Crown“ nennen? Als die Australier schließlich 2006 mit ihrem Debütalbum den Rock der 70er Jahre wieder ins kollektive Musikfan-Bewusstsein riefen, war das Feld des Retro Rock noch relativ unbepflügt, während mittlerweile Bands wie Kadavar, Orchid oder Scorpion Child jede noch so kleine Parzelle beackert haben. Verbleibt die Krone also auch 2014 bei Andrew Stockdale und den austauschbaren Musikern, die er diesen Monat gerade um sich schart?

Dass Stockdale mit „New Crown“ einen auf Radiohead machte und das Album komplett unangekündigt für 'nen Appel und 'n Ei online zur Verfügung stellte, sollte einem Verbleib in der Königsklasse eigentlich eher zuträglich sein: Der Faktor „Überraschung“ ist so auf jeden Fall schon einmal auf Wolfmothers Seite und wer nur 7$ ausgibt, kann sich nicht beschweren, wenn ihm allzu große Überraschungen nicht gefallen – und die gibt es auf „New Crown“ durchaus. Nur noch nicht gerade auf dem Opener „How Many Times“ – der hätte so auch auf „Wolfmother“ oder „Cosmic Egg“ zu finden sein können, geht gleich nach vorne, orgelt und gniedelt sich die Seele aus dem Leib – alles beim Alten also.

Was jedoch danach auf „New Crown“ passiert, wirkt zunächst ungewohnt. Nicht genug damit, dass die Produktion vieler Songs wohl selbst den meisten Garagenbands gerade einmal für ihre Demos genügen würde. Lo-Fi kann charmant sein, doch geht auch dieser Charme verloren, wenn man diese Maxime ausreizt. So sei das markanteste Beispiel „My Tangerine Dream“ auch aufgrund seiner monotonen Struktur und seines furchtbaren A-Cappella-Outros, unter „Narrenfreiheit“ verbucht – von dieser wiederum macht Stockdale aber nicht nur hier Gebrauch, sondern auch im geradezu frechen Stones-Rip-Off „I Ain't Got No“ und „Feelings“, das klingt, als hätte man einmal Indiepunkbands wie Fidlar in der Garage „Apple Tree“ covern lassen. Während letzteres jedoch wenigstens höllisch Spaß macht, geht dies vielen Songs auf „New Crown“ leider ab.

Insofern ist zumindest auch geklärt, dass Wolfmother mit ihrem dritten Album auf jeden Fall kaum etwaige Herrschaftsansprüche im Königreich des Retro Rock durchsetzen können. Dass dieses überhaupt wieder so deutlich auf der Landkarte zu sehen ist, ist und bleibt aber wohl immer noch Andrew Stockdale zu verdanken – dieser muss nur aufpassen, da er mit noch mehr so durchwachsenen Alben auch leicht zum neuen Hofnarr werden kann.

Jan Martens

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