Rezension

William Fitzsimmons

The Sparrow And The Crow


Highlights: After Afterall // I Don´t Feel It Anymore (Song Of The Sparrow) // Just Not Each Other // Find Me To Forgive
Genre: Singer/Songwriter
Sounds Like: Iron & Wine // Damien Rice // Elliott Smith // Sufjan Stevens

VÖ: 23.10.2009

William Fitzsimmons hat uns mit seinem letzten Album "Goodnight" schon im vergangenen Jahr begeistert und da der Mann mittlerweile endlich die Anerkennung bekommt, die er verdient, müssen wir dieses Mal sogar keine drei Jahre lang warten, bis sich ein Label erbarmt und "The Sparrow And The Crow" veröffentlicht. Es wäre auch noch ärgerlicher gewesen als beim Vorgänger: Nicht nur, da Fitzsimmons sowieso ein Bombenkerl ist und allein deshalb seine Musik von jedem gehört werden muss, sondern weil er mit seinem neuen Album das intimste und ergreifendste Singer-/Songwriteralbum seit langer Zeit zustande gebracht hat.

"The Sparrow And The Crow" ist ein schonungsloser Rückblick auf seine in die Brüche gegangene letzte Beziehung, die schließlich in einer Scheidung gipfelte. Dieser Rückblick tut weh, auch für den Zuhörer. Wer nicht schon selbst in einer ähnlichen Situation war, für den sorgen Fitzsimmons´ einfühlsame Stimme, die emotionale Instrumentierung mit Akustikgitarre und Piano und insbesondere seine ergreifenden Lyrics dafür, dass wirklich jeder nachvollziehen kann, welche Hölle man in den letzten Zügen einer Beziehung durchmachen muss.

Sämtliche Phasen, die man bei einer schleichenden Trennung durchläuft, werden noch einmal sukzessive aufgearbeitet und durchlaufen: von dem verzweifelten Einreden der Liebe ("After Afterall"), über die fortschreitende Entfremdung ("Further From You") bis zur bitteren Erkenntnis, dass die Beziehung nicht mehr zu retten ist ("I Don´t Feel It Anymore (Song Of The Sparrow)"). Der häufiger mal vorkommende Dialog mit den beiden Gastsängerinnen Priscilla Ahn and Caitlin Crosby macht die ganze Sache noch eindringlicher, noch authentischer.

Hoch anzurechnen ist William Fitzsimmons auch, dass er nicht, wie bei so vielen anderen, das Album dazu nutzt, um mit seiner Verflossenen auf unschöne Art und Weise abzurechnen. Ganz im Gegenteil gibt er sich sogar konkret die Schuld am Scheitern ("Please Forgive Me (Song Of The Crow)", "Find Me To Forgive") und versucht sein Bestes, um einen versöhnlichen Abschluss für beide Seiten zu finden: "We´ll love again (we will) but just not each other" ("Just Not Each Other"). Am Ende ist der ganze Ballast dann ausreichend aufgearbeitet, um wieder optimistisch nach vorne zu blicken ("Goodmorning").

Wer Trennungsschmerzen zu bewältigen hat, der hat von nun an in "The Sparrow And The Crow" einen treuen und heilsamen Begleiter gefunden. Und selbst wer auf rosaroten Wolken schwebt, wird beeindruckt sein von dieser intensiven Offenbarung des innersten Seelenlebens eines Mannes, der unter seinem riesigen Bart ein verdammt großes Herz versteckt.

Benjamin Köhler

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