Rezension

William Fitzsimmons

Mission Bell


Highlights: Angela // Distant Lovers // In The Light Never Really Mine
Genre: Folk // Singer/Songwriter
Sounds Like: Scott Matthews // Joshua Radin // José Gonzalez

VÖ: 21.09.2018

Persönliche Schicksale finden immer direkt oder indirekt den Weg in die Musik. Ausnahmslos. Gerade bei William Fitzsimmons war das schon immer der Fall. Über ein persönliches Schicksal kam er gar erst zur Musik, weil er sich mit seinen blinden Eltern vor allem mit Gesang und Musik verbunden fühlte. Und fortan war der musikalische Werdegang des melancholischen Songwriters vor allem von der Liebe getrieben. Tragische Geschehnisse, wie seine erste Scheidung, haben ebenso den Weg in die Songs gefunden wie das Hereintreten einer neuen Liebe in sein Leben, die dann zu Ehe Nummer 2 wurde. Nun also der erneute Schicksalsschlag. Während der Arbeit am neuen Album lädt Fitzsimmons einen Freund und Mitmusiker ein, damit beide eng am eigenen Material arbeiten können. Doch dieser fängt eine Affäre mit Fitzsimmons' zweiter Frau an, die Ehe wird aufgelöst und die Arbeiten am neuen Material auf Eis gelegt.

Harter Tobak, der allen Grund zur Annahme liefert, das nun letztendlich doch erschienene "Mission Bell" sei ein verbittertes Werk, das mit dem Konzept der Liebe bricht und ein für alle Mal aufräumt. Doch weit gefehlt. Fitzsimmons nutzt die Musik abermals als therapeutisches Instrument, kommt nicht verbittert, sondern fast Zen-artig wieder und ja, ihm scheint es den Umständen entsprechend gut zu gehen.

"Mission Bell" ist in seiner Entstehung der Prototyp des Trennungsalbums und das hört man auch an allen Ecken und Enden. "You can take the kids on Tuesdays and every other weekend. I'll be fine with holiday arrangements on my own", heißt es in "Distant Lovers", um dann noch einmal zu bestätigen: "We're better off as friends than distant lovers." "You will never find me anymore. Not while I'm hiding in the light", singt Fitzsimmons auf "In The Light" und lässt keinen Restzweifel daran, dass er abgeschlossen hat, sich nicht versteckt, aber auch nicht wieder gefunden werden möchte. Dazu ist das Schlagzeug so mitteilsam wie selten zuvor und treibt Songs hier und da beschwingt in Richtung versöhnlicher Glückseligkeit. Fitzsimmons' beruhigende Stimme versichert, dass immer alles gut wird und findet in Abby Gundersen ihren erzählerischen und stimmlichen Counterpart, der dem Album eine Tiefe gibt, die Fitzsimmons vermutlich alleine nicht erreicht hätte.

Insgesamt ist "Mission Bells" eine erstaunliche Trennungsplatte, von der wir uns einiges abschauen können. Kein böses Blut, kein Selbstmitleid, sondern das Gefühl, dass das so schon irgendwie richtig ist und einem größeren Plan folgt. "Maybe someone's waiting for you in a city further on from here, but I'm not coming back for you, You were never really mine", heißt es in "Never Really Mine". Das muss man so erstmal verarbeiten.

Andreas Peters

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