Rezension

White Lies

Big TV


Highlights: Big TV // There Goes Our Love Again // First Time Caller // Goldmine
Genre: Stadionrock // Indie-Rock
Sounds Like: Editors // Interpol // The Cinematics

VÖ: 09.08.2013

Die Geschichte der White Lies hätte auch Teil eines kitschig angehauchten Romans sein können. Charles Cave und Jack Brown versuchten sich schon früh an der Musik, in einer Aufführung ihrer Schul-Theatergruppe. Damals waren es zwar noch nicht Bass und Schlagzeug, sondern Triangel und Holzblocktrommel, trotzdem: Der Grundstein war gelegt. Folglich gründeten sie zusammen mit Harry McVeigh im Alter von 15 Jahren ihre erste Band Fear Of Flying. Was danach kam, ist Geschichte: Umbenennung in White Lies, Plattenvertrag, Tourneen, zwei hochgefeierte Alben, etliche Nominierungen und Awards. Und jetzt? Jetzt haben wir 2013 und das Trio veröffentlicht ihren Drittling „Big TV“, Stadionrock at its best.

Einerseits klingt das Album insgesamt doch sehr pompös und schlägt große Töne an, andererseits wurde sich musikalisch häufig auf das Mindeste reduziert. Für ein wirklich starkes Indie-Rock-Album reicht das nicht mehr aus, für Stadionrock auf jeden Fall. Der Sound ist voll und passt sehr gut zur markanten Stimme McVeighs, etwas anderes hätte man auch nicht von einem Album erwarten können, das von Mark Spent (u.a. U2, Coldplay) gemixt wurde. Hinzu kommt, dass die drei Briten auf "Big TV" etliche wunderbar eingängige Melodien hervorgebracht haben. Hört man „Big TV“, „There Goes Our Love Again“, „First Time Caller“ oder „Goldmine“, ist die eher simple Instrumentierung vergessen. Schöne Melodien unterstützen die großartige Stimme McVeighs, auch wenn es an einigen Stellen schon fast zu poppig ist.

Und genau hier werden sich die Geister trennen. Es gibt genug Bands, die ihr über lange Zeit erarbeitetes Stammpublikum durch zu poppige Alben verloren haben. Dass sich beispielsweise Coldplay sonderlich über gefüllte Stadien und Radiohits geärgert haben, gilt zu bezweifeln, dennoch ist „Big TV“ ein großer Schritt in andere musikalische Gefilde, den nicht alle Fans der White Lies mitmachen werden. Nehmen wir aber nun eine Zeitmaschine, reisen zu den jungen Charles Cave und Jack Brown und erzählen ihnen, dass sie im Jahre 2013 zwar ein paar alteingesessene Fans verlieren könnten, dafür aber ein starkes Stadionrockalbum hervorbringen und der Erfolg immer größer wird, wie würden sie reagieren? Höchstwahrscheinlich würden sie nicht vor Wut auf ihre Holzblocktrommel einhauen.

Lewis Wellbrock

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