Rezension

White Lies

Friends


Highlights: Hold Back Your Love // Is My Love Enough // Swing
Genre: Synth-Pop
Sounds Like: Duran Duran // Ultravox // Tears For Fears // Glasvegas

VÖ: 07.10.2016

Die White Lies waren seit jeher für ihre Hater ein dankbares Opfer. Als Synth-Pop-Formation sowieso nicht unbedingt mit dem komplexesten Sound ausgestattet, geschweige denn innovativ, wandelte das Trio aus London immer zielsicher auf einem schmalen Grat nah an übermäßigem Pathos. Dabei oftmals unter den Tisch gekehrt wurde aber die Tatsache, dass die Band ein unglaublich gutes Gespür für Melodien besitzt und dies in verdammt viele große Popsongs in den letzten Jahren umgemünzt hat. Hinzu kommt Frontmann Harry McVeigh, dessen Stimme man als wertvolles Relikt der 80er schwerlich ignorieren kann.

Ausgerechnet mit ihrem neuen Album "Friends" gießen die White Lies jetzt allerdings auch noch Wasser auf die Mühlen ihrer Kritiker. Mit noch mehr Fokus auf Synthie- und Keyboardsounds begibt sich die Band in Gewässer, die schon gefährlich seicht sind. Bei Songs wie dem furchtbar kitschigen "Don't Want To Feel It All" (inklusive "In The Air Tonight"-Drumming) und der Schmalz-Nummer "Don't Fall" fällt es schwer, noch irgendwas als Verteidigung vorzubringen. Es ist schade, dass Gitarre, Schlagzeug (das echte) und die düstere Grundstimmung, die viele Songs so besonders gemacht hat, weitestgehend über Bord geworfen wurden.

Dann aber wiederum kommen die White Lies halt trotzdem wieder mit großen Refrains und Melodien um die Ecke, die einen alles verzeihen lassen. "Hold Back Your Love", "Is My Love Enough", "Summer Didn't Change A Thing", "Swing"... Es reiht sich besonders im Mittelteil dann doch ein Hit an den anderen. Voraussetzung bleibt allerdings, dass man eine Schwäche für den 80er-Synth-Pop im Stile von Duran Duran, Ultravox oder Tears For Fears hat. Wer bei den Namen Ausschlag bekommt, wird auch vor "Friends" schnell das Weite suchen. So gesehen bekommen die White Lies mit ihrem vierten Album dann doch noch mal gerade so die Kurve. Viel mehr Substanzverlust können sie sich allerdings nicht mehr erlauben.

Benjamin Köhler

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