Rezension

The Robocop Kraus

They Think They Are The Robocop Kraus


Highlights: Small Houses Odd Cars // Life Amazes Us Despite Our Miserable Future
Genre: Tanzpunk-Pop
Sounds Like: Talking Heads // XTC // Bloc Party // Maximo Park

VÖ: 20.06.2005

Mitte der 90er in der Nähe von Nürnberg. Diverse Mitglieder zweier Hardcorebands kommen auf die lustige Idee eine gemeinsame Band zu gründen in der jeder ein anderes Instrument spielen muss. Heraus kommt irrer Postpunk, der vor allem live einhaut wie Bombe. Und so platzten schon bald nicht nur in Deutschland, sondern von Japan bis Amerika die Clubs über, wenn der Fünfer ein Gastspiel gab.

Zwei Jahre nach ihrem genialen "Living With Other People" rast an den Robos plötzlich ein Zug vorbei. Gebaut von Franz Ferdinand, gelenkt von Bloc Party und Interpol und einige Abteile schon belegt von Maximo Park und englischen Kollegen. Einsteigen ist angesagt. Das was die Nürnberger Combo seit Jahren macht ist plötzlich der angesagteste Scheiss und man könnte nach Jahren im Underground endlich den letzten Sprung schaffen, den man eigentlich schon mit der letzten Veröffentlichung erwartet hatte.

Und ja, spätestens jetzt muss es klappen. Denn sie haben einmal mehr alles richtig gemacht. Zum ersten Mal arbeitete man mit einem Produzenten zusammen, fuhr dafür nach Schweden zu Pelle Gunnerfeldt , der sich durch seine Arbeiten mit The Hives und der Noise Conspiracy einen Namen machte. Der änderte jedoch laut Eigenaussagen fast gar nichts am Robocop-Sound, weil er "zuviel Respekt vor den Arrangements" hatte. Jedoch drehte er die Schrägheit des Sounds etwas zurück. Sie wirkt dezenter, die neue Platte und sucht jederzeit die Nähe zum Pop. Doch steht das ihnen ganz ausgezeichnet. Wirkt sie nach außen nicht mehr so angriffslustig, schleichen sich die Ohrwürmer doch wieder ein und ziehen dich auf die Tanzfläche. "You Don't Have To Shout" und "Small Houses Odd Cars" sind schon bald auf Dauerrotation in jeder Indiedisco. Und dann musst du wieder mit. Arschwackeln. Kopfschütteln. Halsbrechen. Sie haben zu ihren Riffs und Keyboard-Sounds wieder die feinsten Details gepackt: Hier eine Glocke, da ein paar Handclaps. Und immer wieder Tempowechsel und Breaks. Von der Melodie in einen Riffstrudel und wieder zurück.

Auffällig auch das Songwrting, das wesentlich ausgereifter und fokusierter wirkt. Vom Auftakt "After Laughter Comes Tears" über das irrsinnige "In Fact You're Just Fiction" bis zum großartigen, sich daher schleppenden "Life Amazes Us Despite Our Miserable Future" hat Thomas Lang mehr als nur einen Schritt nach vorne gemacht. Stimmlich liegt er auch wieder voll auf der Höhe. Und irgendwo zwischen New York und England, aber sicher nicht im Fränkischen.

Das Motto "As Long As We Dance, We Are Not Dead" gilt auch weiterhin. Und bald wird der Schlachtruf auch weltweit ertönen, denn Epitaph wird The Robocop Kraus -nach den Beatsteaks- als zweite deutsche Band ab September weltweit vertreiben. Und das ist gut so, denn ein besseres Pferd findet sich im deutschen Rockstall zur Zeit nun wirklich nicht. Also steigt mit auf und reitet mit. Hu. Ha.

Carsten Roth

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