Rezension

The Robocop Kraus

Blunders And Mistakes


Highlights: Gibraltar // Chances // Waiting Above The Ocean
Genre: Dance-Pop-Punk
Sounds Like: Yucca // The Audience

VÖ: 21.09.2007

The Robocop Kraus bescheren uns einen wundervoll farbenfrohen Herbst. Nicht nur dank des grellbunten Covers, auch musikalisch bietet "Blunders And Mistakes" eine bunte Mischung, die so nicht unbedingt zu erwarten war. Der Vorgänger "They Think They Are The Robocop Kraus" war tanzbar und extatisch und manchmal auch ansatzweise so sehnsüchtig, wie die neue Platte rüberkommt. Die zwölf Songs sind treibend, lassen aber auch viel Platz zum Träumen. Mit diesem Album haben die Franken etwas Größeres erschaffen, vielleicht auch etwas, das in seinen ganzen Ausmaßen erst in ein paar Jahren zu erkennen ist.

Der Fünferpack aus Hersbruck in der Nähe von Nürnberg ist seit 1998 unterwegs und war eigentlich nur als Nebenprojekt geplant. Mittlerweile spielten sie in Spanien, England und den USA, sind dicke mit den Jungs und dem Mädel von Art Brut und haben seit der Jahreswende einen neuen Bassisten. Nach dem Ausstieg von Tobias Helmlinger casteten The Robocop Kraus nach einem geeigneten Ersatz, was sich spielerisch und menschlich schwer gestaltete, aber letztlich wurde mit Peter Tiedeken ein würdiger neuer Bass-Spieler gefunden. Mit ihm ging es zu den Aufnahmen ins Studio von Tobias Levin, der sich hierzulande als Produzent von Tocotronic und Kante einen guten Namen gemacht hat. Die noch unfertigen Songs in den Koffer gepackt, fliegt die Band nach Los Angeles zu Adam Lasus, zuletzt unter anderem für Clap Your Hands Say Yeah tätig, der für die Endabmischung zuständig ist. Ihm klingt alles ne Spur zu perfekt, also kommen Effekte auf die Lieder, weg von der Radiokompatibilität, hin zum home-recording-Klang. Fertig, ab in den Laden damit.

Der erste Titel reißt direkt mit. "Waiting Above The Ocean" heißt er und macht einfach nur Spaß. Kein Stampfer wie "You Don't Have To Shout" vom Vorgänger, aber dennoch eine Mitsinghymne, deren Refrainzeile, eben jenes "Waiting Above The Ocean", zum Liedende 1000 Male wiederholt werden soll, so bittet das Booklet und den Wunsch kann man ihm bei diesem Lied einfach nicht abschlagen. Das erste Lied soll erst der Anfang zu einer insgesamt wirklich guten Platte sein, die da völlig unter Wert "Patzer und Fehler" getauft wurde. Erst Recht bei Songs wie "Chances", ein Stück das sanft pusht, ohne viel Schnickschnack, dafür einer Message: "Chances are low / Gimme your love / If it's a waste of time I want to waste it with you." Wenn das mal nicht ankommt. Patzer? Understatement at its best!

Und dann ist da der Höhepunkt in Form von "Gibraltar". Wenn Thomas Lang singt "Strait of Gibraltar / All hopes grounded / Those monkeys stole all my stuff / How can I get back to Frankfurt", dann ist da ein sehnsüchtiger und mitreißender Moment, der die Welt für knapp vier Minuten abbremst, ein Gefühl entfacht, irgendwo zwischen dem ersten Bier in der Batschkapp und einem Sonnenaufgang am Meer. Und wenn eine Band einen solchen Moment erschaffen kann, dann ist alles drin. Selbst für eine Band aus einem, Hersbruck möge es mir verzeihen, Kuhkaff in Franken.

Martin Korbach

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