Interview

The Robocop Kraus


"Ich finde es beschissen, dass es schick ist revolutionär zu sein!"

Eigentlich ein ungünstiger Zeitpunkt für ein Interview. Das Album ist nun schon ein Jahr draußen, auf Tour seid ihr auch nicht so richtig,....

Thomas: Nö, weil wir gerade so ein bißchen eine Pause einlegen. Wir schreiben Lieder, spielen ein paar Festivals.

Also seid ihr schon im Prozess des neuen Albums?

Thomas: Ja, eigentlich schon. Aber mehr so am Anfang. Wir schreiben gerade Lieder und wollen am Ende des Jahres in's Studio gehen.

Also ihr seid jetzt erst am Songschreiben und wisst auch noch gar nicht wie das dann klingen soll?

Thomas: Doch, da arbeiten wir die ganze Zeit dran. Da überlegt man sich wie man das produziert. Aber da kann man sich nicht festlegen, das entsteht dann einfach. Wir hoffen, dass wir noch mehr Möglichkeiten haben etwas auszuprobieren. Deshalb wollen wir auch eine Vorproduktion machen.

Wie baut ihr einen Song auf?

Thomas: Es ist eher so, dass die Musik da ist und ich improvisiere Text drauf. Aber es steht das Rythmische erstmal da.

Am Anfang war The Robocop Kraus ein Projekt mehrerer Bands, bei dem jeder ein anderes Instrument spielen sollte als in seiner Hauptband.

Thomas: Oh, das ist aber schon lange her.

Ja, gibts die Idee nochmal ein Album zu machen wo die Band untereinander würfelt oder seht ihr euch jetzt inzwischen als feste Band, mit fester Besetzung?

Thomas: Inzwischen ist das eine feste Band, ja . Im Studio haben wir aber schon öfter mal wieder anders besetzt. Ich hab das letzte Mal Bass gespielt und unser Schlagzeuger Gitarre. Und da kannst du auch immer mal Gastmusiker dazuholen.

Ihr spielt dieses Jahr nur ein paar Festivalgigs. Du hast in einem Interview mal gesagt, du würdest eure Bühnenpräsenz auf großen Bühnen gerne verbessern.

Thomas: Man muss das irgendwie lernen. Wir fangen jetzt nicht an Stonehenge als Pappmaché-Atrappe aufzustellen wie Spinal Tap. Aber es muss sich einfach gut anfühlen. Ich hab keinen Bock dass du jetzt auf großen Bühnen stehst und dann machst du den Affen. Das passiert nämlich vielen Bands. Beim Zuschauen ertappe ich mich dabei, da fühle ich mich verarscht.

Achso, ich dachte du meintest eine visuelle Umsetzung.

Thomas: Ah, doch. Da bin ich schon offen. Aber das ist oft ein Geldproblem. Es gibt einen Konzertfilm von Talking Heads. Die schaffen das es nicht protzig kommt, sondern machen gute Sachen, die Sinn machen und funktionieren. Das ist richtig cool. Du hast visuell noch eine andere Ebene, mit Licht und Klamotten. Der hat ja diesen Anzug wo sein Kopf ganz klein aussieht. Ich hab die ja leider nie live gesehen, aber ich kenne den Film sehr gut.

Euer größtes Festival dieses Jahr ist das Melt!-Festival. Dieses Festival versucht den Spagat zwischen Rock und Dance-Musik. Zum einen spielen da gitarrenlastige Bands, zum anderen legen DJs auf. In letzter Zeit gibt es viele Bands mit elektronischen Einflüssen, die man sowohl in die Rock- als auch in die Elektroecke stecken kann. Tiger Tunes, BeigeGT oder The Rapture fallen mir da ein. Ist das ein neuer Hype?

Thomas: Ja, das ist schon länger zu beobachten. Das viele Bands aus dem Underground kommen und von der Gitarrenmusik her kommen. Als vor sechs Jahren die erste Platte von The Rapture halt rauskam, das war schon was ganz anderes. Und die haben ja jetzt eine Platte rausgebracht, die auch in den Clubs funktioniert. Ich find das spannend und bin gespannt wohin die ganze Reise geht. Viele der jetzigen Bands sind, wie auch wir, von Anfang der 80'er beeinflusst.

Stört dich das wenn das jetzt als 80er Revival gefeiert wird?

Thomas: Das stört mich in dem Sinne schon, weil ein Revival ja eine Kopie ist. Wir hören ja nicht nur 80'er Musik. Da gab es schon interessante Sachen, aber ich versuche nicht genauso zu klingen. Wenn du Pixies anhörst, warum klingt das dann immer noch so frisch? Die könnten ja jetzt genauso gut noch unterwegs sein.

Sind sie ja wieder.

Thomas: Genau. Und die wissen auch warum.

Findest du das gut?

Thomas: Das ist doch voll in Ordnung. Southside spielen die glaub ich, oder? Wir hätten da spielen können, aber wir haben da nicht gespielt, weil wir gesagt haben, das machen wir nächstes Jahr mit neuer Platte. Ich hab mir da voll in den Arsch gebissen. Die Pixies spielen da? Wie cool ist denn das?

Glaubt ihr das funktioniert in der Clubszene so gut, weil sich dort in den letzten Jahren viel wiederholt hat und es kaum neue Impulse gab?

Thomas: Keine Ahnung, ich bin nicht so unterwegs in der Clubszene. Ich beobachte nur das viele Leute da jetzt frisch reingehen, die vorher Gitarrenmusik gehört haben.

Lass uns noch ein bißchen über Politik reden, weil das Open Ohr hier als eines der letzten politisch-aktiven Festivals der Republik bekannt ist. Da hinten gibt es ein paar Diskussionsforen, es gibt Stände und Kabarett. Inwieweit seid ihr als Band politisch?

Thomas: Das ist eine schwere Frage. Dazu muss man definieren was politisch ist. Wir wurden eingeladen auf dem Grünen-Parteitag zu spielen. Sowas lehnen wir halt ab. Für mich ist die Haltung das nicht zu machen schon politisch. Wir haben keinen Bezug zu tagespolitischen Themen, aber man muss definieren wo man steht. Ich find das interessant bei machen Bands, aber manchmal funktioniert es auch gar nicht. Ich find das auch ein bißchen bescheuert, das es schick ist revolutionär zu sein.

Das Thema hier dieses Jahr ist provokant gewählt und hat schon im Vorfeld für viele Diskussionen gesorgt. Es heisst "Arbeit abschaffen!"

Thomas:(lacht) Ich hab eigentlich voll lachen müssen, wie ich das Thema gehört hab. Hat mich vom Slogan an diese Punk-Partei erinnert. Wie heisst die nochmal?

Tja und dann fiel ihm der Name nicht ein. Und dann musste er zum Soundcheck, dann zum Umkleiden und danach rannten sie ihm den Merchandising-Stand ein, weil die Band live halt numal verdammt heisser Scheiss ist. Davon werden wir uns auch wieder auf der nächsten Clubtour überzeugen. Und bis dahin fällt ihm vielleicht ja der Name von dieser Partei ein und dann können wir auch das Interview weiterführen... ;-)

Carsten Roth

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