Rezension

The Rifles

None The Wiser


Highlights: Heebie Jeebies // Go Lucky // Catch Her In The Rye
Genre: Indiepop // Britpop
Sounds Like: The Jam // The Kooks // The Pigeon Detectives

VÖ: 24.01.2014

Manchmal, in ganz seltenen Fällen, kann ein Schritt zurück für eine Band auch ein Fortschritt sein. Er ist dann eher die erste Phase eines Anlaufnehmens als eines Zurückweichens. „None The Wiser“ ist vielleicht so ein Schritt für The Rifles.

Die Londoner Band, die sich so britisch wie nur irgendwas anhört, kam 2006 mit ihrem sonnig-poppigen Debüt „No Love Lost“ leider ein paar Jahre zu spät, um auf einer Welle mit Bands wie The Strokes und The Libertines mitpaddeln zu können. Mit ihrem dritten Studioalbum „Freedom Run“ standen dann im Jahr 2011 große Veränderungen an. Mit Rob Pyne und Grant Marsh brach die Hälfte des ursprünglichen Line-Ups weg, die Musik orientierte sich fortan eher an Stadionrock U2'scher Prägung denn am Indie-Pop der Anfangszeit. Die Fanbasis war über einen solch radikalen Stilwechsel doch etwas verwundert, wenn nicht gar entsetzt: Never change a running system. Das Problem war jedoch, dass es auch vorher für die Band nicht ganz rund lief. Doch in den Augen vieler wurde 2011 die frisch aufgemotzte und auf Hochglanz polierte Maschine The Rifles voll in den Graben gesetzt. Irgendetwas musste geschehen, und wenn man nicht weiß wohin, wieso nicht noch einmal alles auf Anfang?

So wurden neue Songs in der Rückbesinnung auf alte Qualitäten geschrieben, doch irgendetwas fehlte. Lucas Crowther, Gitarrist und auf „Freedom Run“ auch Sänger, bekundet in einem Interview, dass die neuen Stücke sich einfach so anhörten, als wären sie auf Rob und Grant zugeschnitten. Und so wurden diese für die Aufnahmen zum neuen Album kurzerhand wieder ins Boot geholt. Wie viel Überzeugungsarbeit dazu notwendig war, lässt sich jedoch leider nicht rekonstruieren. Und in der Ursprungsbesetzung hören sich The Rifles 2014 tatsächlich so an, als wären sie keinen Deut klüger als 2006.

„Heebie Jeebies“ und „Go Lucky“ sind feine Power-Pop-Stücke, nicht gerade allzu anspruchsvoll, aber durchaus gefällig. „I think we all agree, you've gotta have a good time“ – Tja, was soll man da schon groß sagen, der Preis für den (un)peinlichsten Allgemeinplatz geht dieses Jahr nach London. Vielleicht ist das aber auch die Weisheit einer Band, die in ihrer Karriere schon viel mitgemacht hat. „Eclectic Eccentric“ kommt da schon etwas überlegter daher und erzählt von dem Gefühl, nicht vom Fleck zu kommen. Na klar, The Rifles nehmen doch auch erst Anlauf...

Sicher hat sich das alles schon einmal frischer angehört, allerdings verwehrt sich „None The Wiser“ auch gegen die klassische Erwartungshaltung an Künstler, sich immer neu erfinden zu müssen. Ständiger Fortschritt, permanente Innovation, immer lauter, größer, mehr – all dieser Quatsch. Und diese Verweigerungshaltung ist wohl auch die wahre Neuerung, die uns The Rifles hier vor Augen führen. Atmen wir also erst einmal in Ruhe durch. Und dann treten wir einen Schritt zurück.

Christoph Herzog

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Lyric-Video zu "Heebie Jeebies"

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