Rezension

The Rifles

Great Escape


Highlights: Sciene In Violence // Fall To Sorrow // Romeo And Juliet
Genre: Indiepop
Sounds Like: The Jam // The View // The Wombats

VÖ: 30.01.2009

Es gibt wohl kaum einen grausameren Prozess als den des Erkennens, dass eine der ganz persönlichen „Doch, die finde total super“-Bands ein mittelmäßiges zweites Werk abgeliefert hat. Die Musikpresse scheint sich bisweilen nicht einig zu sein, ob denn nun das zweite oder das dritte (wie jüngst bei Franz Ferdinand) das berüchtigte „schwierige Album“ sei. Im Falle der Rifles fällt das Plädoyer jedoch sehr eindeutig aus: „The Great Escape“ ist eine durch und durch schwierige Angelegenheit.

Rückenwind gab es diesmal vom Modfather Paul Weller persönlich, der ihnen auch gleich mal seinen eigenen Produzent Jan Kybert zuschob und voll des Lobes für die Haarpracht der fünf britischen Jungs mit der bodenständigen Attitüde war: „Die haben ziemlich gute Frisuren.“. Ob dies ein wirkliches Kompliment war und vor allem eines, welches die Rifles hören wollten, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt.

Auf jeden Fall macht es sich die Band mit „The Great Escape“ alles andere als leicht. Opulente Streicherarrangements werden aufgefahren, man versucht sich hier und an ausgefallenen Instrumenten, die Songs werden verwobener und das Hitpotential unter einer dicken, sahnig-triefenden Soundschicht versteckt. Alle Zeichen sind auf „Wir können auch mehr als eingängige Popsongs schreiben“ gestellt, woran der Opener „Science in Violence“ keine Zweifel lässt. Immerhin: Hier ist das Experiment gelungen. Treibende Gitarren versprechen ein kraftprotzendes, bärenstarkes Album. Der Titeltrack lässt dann leider die Luft aus dem roten Ballon mit dem Mod-Kreis drauf und enthüllt, was „The Great Escape“ wirklich ist: der gescheiterte Versuch einer Weiterentwicklung. Oder anders gesagt: Ein weniger ideenreiches Album Nummer Eins verpackt in hübsches Geschenkband mit Schleife.

Natürlich ist nicht alles ein Plagiat eines guten Albums. Songs wie „Fall To Sorrow“ oder „Romeo and Julie“ erinnern an längst vergangene Tage, als der Indierock noch weniger abgegrabbelt und liebenswerter war. Aber irgendwie weckt der Zweitling einer ehemals wirklich vielversprechenden und vor allem (und diese Eigenschaft hat Seltenheitswert) sympathischen Band stets Assoziationen mit Superpunks „Das waren Mods“. Das alte Gefühl, ich spüre es nicht mehr.

Lisa Krichel

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