Rezension
The Rifles
Freedom Run
Highlights: Long Walk Back // Eveline // Little Boy Blue (Human Needs)
Genre: Pop // Stadionrock
Sounds Like: Razorlight // U2 // The Beatles // The Kooks // The View // The Jam
VÖ: 23.09.2011
Ja, haben die ihre Eier an der Studiotür abgegeben? Oder war die Fluktuation aller bis auf zwei Gründungsmitglieder dafür verantwortlich, dass The Rifles offensichtlich ihren Punch verloren haben? Vielleicht war es aber auch einfach an der Zeit für einen Wandel, immerhin war tanzbarer Brit-Rock auch schon mal angesagter als heute. Nun ist Gitarrist Lucas Crowther der Akteur am Leadmikro und das Tempo weitgehend raus – und mit ihm auch die dominanten Gitarren und der letzte noch verbliebene Rest an Punkrock-Attitüde. "Freedom Run" ist ein Popalbum von der ersten bis zur letzten Sekunde, das eher U2 und die ganz großen Bühnen ins Visier nimmt, anstatt weiter eher Clubs mittleren Fassungsvermögens zu beschallen.
Aber: Stadionrock kann auch nicht jeder. Oder er will zumindest gelernt sein. Kitschige Streicher über eine leidlich einfallsreiche Melodie zu legen und das Resultat mit noch schmalzigeren Lyrics zu versehen wie in "Tangled Up In Love" macht jedenfalls noch lange keine Hymne vom Format der stärksten U2- und Coldplay-Songs. Vielmehr müssen The Rifles in diesen Momenten aufpassen, nicht vom schmalen Grat hin zu Hausfrauenpop übelster Sorte abzurutschen. "Nothing Matters" ist in etwa aus dem selben weichen Holz geschnitzt, und der Schlusstrack "Cry Baby" plätschert so ereignislos vor sich hin, dass man aus dem Gähnen kaum noch herauskommt.
Dabei hat man während der ersten zarten Klänge des Albums, die Frightened Rabbit deutlich heraushören lassen, sogar noch ein gutes Gefühl. Aber auch "Dreamer" – so heißt der Opener – verliert sich ziemlich schnell in der Mittelmäßigkeit. Wenigstens kann man sich auf die Melodien noch einigermaßen verlassen, so dass zum Beispiel "Long Walk Back" und der Beatles-Klon "Eveline" wirklich nett geraten sind. Und in "Little Boy Blue (Human Needs)" kommen sogar tatsächlich sowohl Groove als auch etwas Experimentierfreude auf. Schade, dass man etwas ungezwungenere Jams ansonsten auf ein kurzes Interlude beschränkt. Mit einem so glattgeschliffenen und mit dem Strom fließenden Album, wie es "Freedom Run" insgesamt ist, müssen The Rifles sich jedenfalls vorsehen, nicht innerhalb kurzer Zeit von einer der "aufregendsten und relevantesten Londoner Bands der letzten 10 Jahre", wie noch im Promotext angepriesen, zu einer ziemlich irrelevanten Band zu werden.
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