Rezension

Portugal. The Man

The Satanic Satanist


Highlights: People Say // Work All Day // Do You
Genre: Rock // Pop // Soul
Sounds Like: Malajube // Pink Floyd // Circa Survive

VÖ: 17.07.2009

Wer erinnert sich noch an die alten Überraschungs-Ei-Werbungen? "Spiel, Spannung UND Schokolade? Das geht nun wirklich nicht! Also friss dein Hanuta und halt die Schnauze!" Und kaum haben in besagter Werbung auftretende Mutter und man selbst die Erkenntnis verdaut, dass das erstaunlicherweise doch geht, wollen uns Portugal. The Man scheinbar mit "The Satanic Satanist" genauso überfordern: Statt Schokolade gibt es Musik und zum Spielen eine unglaublich liebevoll aufgemachte psychedelische Landschaft zum Aufklappen und -bauen im Booklet, auf der wahrscheinlich ganze Legohorden Platz hätten. Für Spannung sorgt die Frage: Wie klingt das vierte Album einer Band, deren Debüt erst 2006 erschienen ist und die seitdem stetig damit beschäftigt zu sein scheint, ihren Stil immer anders zu variieren?

Antwort: Gut klingt es, mal wieder. Man mag, wild interpretierend, der wohl besten Band Alaskas (Okay, Konkurrenz mag spärlich gesät sein) vorwerfen können, Thrice die Idee mit den vier Elementen klauen zu wollen: Auf das feurige "Waiter: You Vultures!" folgte der erdige Rock von "Church Mouth", ein Jahr später schwebten Portugal. The Man zumindest teils auf Songs wie "Colors" in luftigsten Hippie-Sphären. Fehlt noch das nasse Element - und dementsprechend kann man auch "The Satanic Satanist" durchaus in diese Interpretation quetschen, weil der vierte Streich der Band vom Opener "People Say" bis zum abschließenden "Mornings" einfach einen unglaublichen, durchgängigen Flow hat.

So geht der zwar inhaltlich sarkastische, doch derbe lässige Westcoast-Pop von "People Say" (deutlicher "KALIFORNIEN!" evoziert wohl nur Snoop Dogg im Lowrider) nahtlos in das groovige, aber ebenso hitverdächtige "Work All Day" über, das dann wiederum dem mit Streichersamples gespickten "Lovers In Love" Platz macht. Daraufhin wird "The Satanic Satanist" zunehmend souliger und funkiger, lässt stellenweise gar an die Chili Peppers denken, bis sich mit "Do You" schon wieder der nächste potentielle Hit herausschält. "Everyone Is Golden" lädt dann zum Versuch ein, diese Art der Wahrnehmung mittels natürlicher Drogen tatsächlich zu evozieren, bis einen das relaxte "Mornings" schließlich mit seinen Santana-Gedächtnis-Porno-Gitarren sanft aus dem Album entlässt. Wollte man das ganze Album in einem Wort beschreiben, müsste man sich eines der schlimmsten Adjektive der deutschen Sprache bedienen: Es ist gechillt.

Kollege Barnard schrieb letzten September zum Release von "Censored Colors", dass jedes der drei Alben für verschiedene Fans ein potentielles Lieblingsalbum sein könnte. Ta-daa: Mit seiner ungewohnten Poppigkeit und Relaxtheit ist "The Satanic Satanist" nun Nummer #4 im Bunde. Für den Rezensenten behält "Church Mouth" die Pole Position - aber durch dessen Booklet kann man keine Lego-Horden marschieren lassen. Aber sowas gibt's vielleicht auch bei Portugal. The Man nur auf jedem siebten Album.

Jan Martens

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