Rezension

Patrick Wolf

The Magic Position


Highlights: Overture // Bluebells // Get Lost
Genre: Folk // Elektro // Pop
Sounds Like: Beirut // The Postal Service // Get Cape. Wear Cape. Fly

VÖ: 20.04.2007

Was ist der Sinn eines Plattencovers? Wenn man sich das des neuen Patrick Wolf – Albums "The Magic Position" ansieht, muss man sich das wirklich fragen. Normalerweise möchte man ja meinen, es solle Blicke auf sich ziehen und das Interesse am Kauf der Platte auch bei potentiellen Hörern wecken, die mit dem Künstler noch nicht vertraut sind. Zugegeben, der Betrachter im Plattenladen wird sich schon erst einmal nach dem Album umdrehen. Um sich dann allerdings mit Grausen wieder abzuwenden. Was zur Hölle hat man sich bei diesem "Artwork" gedacht, das an Geschmacklosigkeit allerhöchstens noch vom The Gossip-Achselhaarcover überboten wird? Die Plattenfirma wird es wissen. Aber zum Glück sind wir ja nicht voreingenommen.

Zeit, sachlich zu werden. Der exil-irische Multiinstrumentalist mit dem Laptop in der Tasche hat also ein neues Album aufgenommen. Und endlich gibt es sogar einmal Gewissheit über den deutschen Veröffentlichungstermin, nachdem darüber lange genug Irrungen und Wirrungen herrschten, die CD aber ungeachtet dessen schon in den Regalen diverser Plattenläden zu finden war. Was hat uns der Elektro-Barde wohl diesmal anzubieten? Die beiden Vorgängeralben verstanden es jedenfalls perfekt, den Hörer in eine antithetische, meist düstere Phantasiewelt aus (prä-) viktorianischem Seefahrerzeitalter und elektronischer Hypermoderne zu entführen, so dass einem Hören und Sehen verging, das Fernweh aber kam.

Führt man sich die Tracklist zu Gemüte, wird eine Wiederholung der vertonten Aufbruchsstimmung relativ unwahrscheinlich. Nichts ist mehr mit Paris, London, Teignmouth oder dem Zigeunerkönig. Titel wie "The Kiss", "Augustine" und "The Stars" lassen aber bereits erahnen, in welche Richtung es stattdessen gehen wird. Ist Patrick Wolf vom Geschichtenerzähler zum Romantiker geworden? Ein Blick in die Lyrics verrät mehr: Tatsächlich, auch wenn sich längst nicht alle Songtexte um die Liebe drehen, ganz von der Hand weisen lässt sich diese Vermutung nicht. Der beschwingte Stakkato-Pop-Titeltrack "The Magic Position", der höchstwahrscheinlich auch bei den meisten Mainstream-Radiosendern gut ankommen würde, bedient sich teilweise sogar ganz schön platter Zeilen wie "It's the time to live // so give your love to me", und bringt trotzdem irgendwie das Kunststück fertig, nicht peinlich zu wirken. Von diesem einen Song einmal abgesehen, gibt es aber wohl nur wenige Songwriter, deren Lyrics sich vor dem inneren Auge so gut visualisieren lassen wie Patrick Wolf. Und hey, wer bitte findet die Vorstellung, sich zusammen zu verlaufen ("Get Lost"), nicht romantisch?

Musikalisch ist Patrick Wolf sowieso nach wie vor über jeden Zweifel erhaben. Dadurch, dass er eine Vielzahl von Instrumenten beherrscht, mangelt es keiner einzigen seiner Kompositionen an Abwechslung, und vor allem die Dichte, die Verspieltheit und die wunderschönen Harmonien von Tracks wie zum Beispiel "Overture" und "Bluebells" begeistern immer wieder aufs Neue. Äußerst bemerkenswert ist auch, wie es Wolf scheinbar spielend leicht schafft, vier eigentlich vollkommen unterschiedliche Songs, abgeschlossen vom wahnwitzigen Elektrogefrickel in "Secret Garden", miteinander verschmelzen zu lassen. Trotz des relativ pathetischen Abschlusses hat man allerdings nie das Gefühl, dass Patrick Wolf es übertreibt. Außer vielleicht beim Albumcover. Aber das verzeiht man einer Platte wie dieser locker.

Johannes Neuhauser

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