Rezension

Murder By Death

The Other Shore


Highlights: Alas // I Have Arrived // Last Night On Earth
Genre: Folk
Sounds Like: Wovenhand // Nick Cave & The Bad Seeds // 16 Horsepower

VÖ: 24.08.2018

Murder By Death sind vielleicht die Ersten, die tatsächlich von Robocop hätten gerettet werden können. Robocop hier allerdings nicht im Sinne des metallenen Stars schlechter Actionfilme und deren Reboots, sondern des schnuffigen Hundes von Adam Turla, dem er die Haustierhymnen-Sammlung „Songs In The Key of Robocop“ widmete. Die zeigte nämlich kürzlich, wie sehr Murder By Death doch tatsächlich ihr Korsett aus Indie-Country mit Gothic- und Western-Vibes sprengen können, das sie sich über die Jahre viel zu eng geschnürt zu haben scheinen. Ihr achtes Album zieht die Knoten doch wieder fester – wie schlimm man das auch immer finden mag.

Es ist ja nicht so, dass das Quintett aus Bloomington, Indiana, jemals wirkliche Stagnation oder auch nur Qualitätsabfall zu beklagen gehabt hätten: Jedes ihrer Alben konnte Adam Turlas smoothe Bourbon-Stimme, sein erzählerisches Talent sowie mehr als nur ein Händchen für gutes Songwriting gut genug nutzen, um im éclat-Wertungsschnitt an der Vier-Punkte-Marke zu kratzen, zu Beginn noch mit deutlicherem Fokus auf stimmungsvollen Cello-Melodien, später immer öfter mit gerade genug Pop-Appeal, um größere Hörergruppen zu erreichen. Doch blieben Murder By Death immer, irgendwie unverständlicherweise, ein Nischen-Phänomen, das über Platz 76 in den Billboard-Charts nie hinauskam und aktuelle Veröffentlichungen größtenteils über Kickstarter finanzieren lässt.

Und auch „The Other Shore“ springt zwar mitnichten so wirklich an andere musikalische Ufer, sondern fügt der Diskographie ein weiteres Album hinzu, das wahrscheinlich wieder viel zu wenige hören werden – trotz des atmosphärischen Einstiegs mit „Alas“, trotz des sommerlich-leichten Indiepop-Hits „I Have Arrived“, der eigentlich viel besser nach Kalifornien als in die Western-Szenarien anderer Songs der Band passt, trotz der Postrock-Gitarren in „New Old City“, die dem Sound der Band die nächsten Nuancen hinzufügen. Ansonsten bleibt im Kosmos von Murder By Death vieles gleich. Wohl zu gleich, um ihnen endlich den verdienten Erfolg bescheren zu können. Aber den Begriff „Robocop“ einmal mit positiven Assoziationen verknüpft haben zu können – ist ja auch eine schöne Premiere.

Jan Martens

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