Rezension

LCD Soundsystem

This Is Happening


Highlights: Dance Yrself Clean // One Touch // You Wanted A Hit // Home
Genre: Dance-Rock
Sounds Like: The Faint // MSTRKRFT // Hot Chip // The Rapture // !!!

VÖ: 14.05.2010

Vielleicht hat er einfach den Masterplan, dieser James Murphy. Gerade er, der so sehr beteuert, doch der durchschnittlichste Typ unter der Sonne zu sein. Drei Platten machen und dann Schluß, um ja nicht zur Pop-Ikone hochstilisiert zu werden. Netter Plan. Einziges Problem: Gerade Understatement ist derzeit gern mal Tugend und Murphy darin offensichtlich Experte. Wie man also einen Kult aufbaut? Indem man versucht, ihn zu verhindern.

Als dritte Platte des LCD Soundsystem hat "This Is Happening" nun die sprichwörtliche Arschkarte. Denn sich am hitwerfenden und selbstbetitelten Debüt messen lassen zu müssen, ist undankbar – den Vorgänger „Sound Of Silver“ zu toppen, gar eine Herkules-Aufgabe. Aber Murphy hat's ja gut, denn lässt er Taten folgen und zieht mit dieser Platte einen Schlussstrich unters LCD Soundsystem, muss er sich zumindest nicht den Vorwurf anhören, nur Kohle scheffeln zu wollen.

Und gleich im Opener darf sich jeder, der auch nur Derartiges gedenkt, sofort selbst dafür ohrfeigen. So verstrahlt, wie „Dance Yrself Clean“ loseiert und die finalen 65 Minuten von Murphys Karriere einläutet, würden nicht mal gewagte B-Seiten konventionellerer Dance-Künstler klingen – selbst, wenn sie vor dem Aufnehmen wie die Bagger gekifft hätten. Der Text stolpert vor sich hin (verwirrte Zeilen der Art „Talking like a jerk. Except you are an actual jerk. And living proof that sometimes friends are mean“ gibt’s am Fließband), ein grandios bescheuerter Synthie tappst dazwischen und plötzlich springt nach drei Minuten der eigentliche Beat per Arschbombe ins Becken. Großartig. Aber um im Bild zu bleiben: So viel Wellen wie im Opener schlägt Murphy auf „This Is Happening“ nur manchmal, ordentlich nass wird man trotzdem.

Das sich behutsam hochschaukelnde „You Wanted A Hit“ packt da später die gedämpfte Kratzgitarre aus und das Grinsen ist unvermeidlich. Und wieder gibt Murphy den Bescheidenen: „You wanted a hit, but maybe we don't do hits. I try and try, but it ends up feeling kind of wrong.“ Ja, nee – is' klar. Dass hier und da monotonere Nummern wie „All I Want“ der Reiz abgeht, macht da nur bedingt was – denn der Flow der Platte stimmt, Beats und Grooves sind durch die Bank vielschichtig und machen mächtig munter. Wenn dann noch erheiternd schiefe Männerchöre wie in der Vorbild-Single „Drunk Girls“ darüber tönen, schießt der Spaßpegel ans obere Ende seiner Skala.

Den Kult hat Murphy so praktisch in der Tasche. Im Vergleich zum Rest der Diskographie nimmt er sogar die hohe Hürde des Vorgängers, wird so aber noch nicht zum griechischen Halbgott. Soll heißen: Silbermedaille. Und zwischen obligatorischem Sellout-Geschwafel und dem Druck, mit der (eventuellen) vierten Platte doch noch einen drauf setzen zu müssen, kann er mit dieser ziemlich zufrieden sein. Wenn er den Sack denn jetzt zu macht.

Gordon Barnard

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