Rezension

LCD Soundsystem

45:33 Remixes


Highlights: Pilooski Remix // Theo Parrish Remix // Riley Reinhold Remix
Genre: House
Sounds Like: Prins Thomas // LCD Soundsystem // Theo Pharrish

VÖ: 11.09.2009

Erst ein Track in Anlehnung an Manuel Göttschings „E2-E4“, der einen Laufschuh bewerben soll. Das war 2006. Dann die reguläre Veröffentlichung dieses Stücks „45:33“ im Jahr 2007. Jetzt ein Album mit Remixen. James Murphy und DFA Records nutzen im Fall von „45:33“ die Wertschöpfungskette wirklich vollkommen aus.

Allerdings stellt sich durchaus die Frage nach der Zielgruppe. Selbst unter den Fans elektronischer Tanzmusik – und an diese richten sich die Neu-Interpretationen – dürften nur wenige wirklich diesen Mixen von unter anderem Prins Thomas und Theo Parrish entgegenfiebern, … oder doch?

Zu Beginn der CD-Fassung kommen mit Runaway und Prince Language Künstler zum Zuge, die den gleichmäßigen Charakter des Originals beibehalten. Sie versuchen weiterhin eine Begleitmusik zu monotonen Tätigkeiten – U-Bahn-Fahrten, Webseiten-Programmierung, Joggen – zu bieten. Runaways Mix lullt den Hörer regelrecht ein, packt ihn aber auf Dauer dann eben doch. Dagegen betont Prince Language den House-Charakter, glättet dabei Rauhigkeiten aus und gestaltet seine acht Minuten recht farblos. Prins Thomas wiederum konzentriert sich mit einem Augenzwinkern auf den Funk, den jazzigen Anteil von „45:33“. Er geht leider seinem Hang zu überlangen Stücken nach, ermüdet so auf Dauer, schafft allerdings nach hinten hinaus durchaus noch kleinere Aha-Momente. Während dieser Mix „groovy, groovy“ daherkommt, groovt die Interpretation von Trus’Me tatsächlich kräftig voran. Zwar behält auch er eine rhythmische Gleichmäßigkeit bei, beschleunigt die ganze Angelegenheit jedoch deutlich.

Den Laufrhyhtmus, den Grundcharakter des Ausgangsmaterials durchbricht als erster im Ablauf der Platte Theo Parrish. Acappella-Vocals, Synthie-Anschläge und leichte Rhythmusmuster stehen jeweils orthogonal zueinander, bilden voneinander unabhängige Raumrichtungen. Dieser Remix liefert so auch einen echten kleinen Höhepunkt. Auch Padded Cells und Pilooskis Interpretationen wissen zu überzeugen. Ersterer geht sehr verspielt an die Sache heran und versieht seine Bearbeitung mit einer Extraportion Soul. Sowohl Fusionjazz als auch Kraftwerk mögen als weitere Inspirationen aus seinem Mix herausgehört werden. Pilooski bemüht sich erfolgreich um einen tiefgründigen, technoiden Klang. Quasi-Sub-Bässe und vokale Monotonie bestimmen seinen Re-Edit. Letztere zieht in langsamen Fluss am Hörer vorbei, erscheint unveränderlich und unterliegt doch kaum merklichen, faszinierenden Variationen.

Den wahren Höhepunkt sparen sich die „45:33 Remixe“ aber für das Ende auf. Riley Reinhold (aka Triple R, Chef von Traum Schallplatten) schafft einen fantastischen, dunklen Minimal-Track, der zwar bereits im ersten Teil zu überzeugen weiß, aber besonders durch seine doppelte Entfaltung etwa zur Halbzeit begeistert. Simultan finden offensiv pumpende Beats und ambiente, atmosphärische Flächen statt und lassen staunen. Dass der Track in der letzten Minute dann ein weiteres Mal die Richtung ändert, ist nur ein zusätzlicher Bonus. In dieser Weise vermeidet RRR auch das Grundproblem dieser Mix-Sammlung. Das wiederum besteht darin, dass tatsächlich sieben der acht Stücke überdeutlich anzumerken ist, dass sie das gleiche Ausgangsmaterial verwenden. Würden nicht zumindest Theo Parrish, Reinhold und Pilooski tatsächlich versuchen, dessen Charakter umzudeuten und es um weitere Bestandteile zu erweitern, würde die Platte schon bei Halbzeit in Langeweile sterben. So mögen große Teile der ersten Hälfte zwar enttäuschen, doch die zweite entschädigt ausreichend.

Oliver Bothe

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