Rezension

Frank Turner

Tape Deck Heart


Highlights: Recovery // The Way I Tend To Be // Plain Sailing Weather // Polaroid Picture
Genre: Songwriterpunk
Sounds Like: Billy Bragg // Chuck Ragan // The Gaslight Anthem // The Pogues

VÖ: 19.04.2013

So mancher Gedanke könnte einem in den Kopf kommen, wenn man sich „Tape Deck Heart“, Frank Turners mittlerweile fünftes Album, anhört: Zum Beispiel, dass Frank Turner seine gewisse jugendliche Unbekümmertheit abgelegt hat, dass sich das Ausscheiden aus dem Club der End-Zwanziger mittlerweile bemerkbar macht. Oder, dass Frank Turner seine immer größere Popularität durch geschickte Songwritingstrategien möglichst schnell noch vergrößern möchte. Möglicherweise auch, dass es sich bemerkbar macht, dass der Ur-Brite Frank Turner „Tape Deck Heart“ in Kalifornien aufgenommen hat. Wer Frank Turner aber jeweils getroffen, ein Interview mit ihm gelesen oder ihn auch nur live gesehen hat, weiß: Das kann alles eigentlich nur Quatsch sein.

Und trotzdem mag einiges an „Tape Deck Heart“ so manche Stirn zunächst zum Runzeln bringen – zuallererst das bereits seit Längerem bekannte „Four Simple Words“: Einen Song, der so dreist auf seine Liveperformance zugeschnitten ist und tatsächlich I want to dance-Chöre fordert, hat jemand, dessen Konzerte sowieso kein normaler Mensch überstehen kann, ohne sich die Stimmbänder rauszubölken, eigentlich nicht nötig – gegönnt sei er Frank Turner trotzdem, nicht nur aufgrund einer charmanten „Time Warp“-Persiflage im Mittelteil. Dass „Tape Deck Heart“ wiederum zu einem erheblichen Teil aus Balladen besteht, ist an sich nicht ungewöhnlich – dass diese allerdings größtenteil bar jeglicher Ecken und Kanten sind und so nicht nur dem semi-alternativen Chick im Holzfällerhemd, sondern auch dem Ed-Sheeran-Groupie gefallen werden, hingegen schon.

Und doch: Ein Song wie der Opener „Recovery“ verbindet wieder so charmant den Folk Billy Braggs mit herrlicher Katharsis, dass er auch die anonymste Multifunktionshalle in eine 20.000 Menschen fassende Kneipe wird verwandeln können, während „Plain Sailing Weather“ das ist, was „I Am Disappeared“ auf dem Vorgänger war: Ein ungeheuer intensiver und smart aufgebauter Song, der zeigt, dass dieser Junge aus Wessex nicht nur dann für Gänsehaut sorgen kann, wenn dir auf seinem Konzert eiskaltes Bier ins Genick gekippt wird. Frank Turner könnte nach Hawaii ziehen und Stadien im Minutentempo ausverkaufen – der bodenständige, grundsympathische Songwriter aus Südengland wird er im Grunde seines Herzens wohl immer bleiben. Darauf ein Prost, Frank – und jetzt, wo du deinen Majorvertrag hast, kannst du ja die nächste Runde schmeißen.

Jan Martens

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