Rezension

Frank Turner

England Keep My Bones


Highlights: Eulogy // I Still Believe // Wessex Boy // Glory Hallelujah
Genre: Folk // Punk // Pop
Sounds Like: Chuck Ragan // The Gaslight Anthem // Flogging Molly

VÖ: 03.06.2011

Singer-Songwriter, die zum Biertrinken aufrufen und die nicht auf die Tränendrüse drücken, sind eindeutig in der Minderheit, und unter diesen ist Frank Turner wohl momentan der Auffälligste. Der ehemalige Frontmann von Million Dead kombiniert erfolgreich Punk mit Folk und bringt mit „England Keep My Bones“ nach bereits vier EPs und drei Alben den nächsten Longplayer an den Start.

Bisher war Turners große Stärke seine große Authentizität, die durch eine Mischung seiner griffigen Texte und der einfachen, aber eingängigen Gitarrenbegleitung hervorgerufen wurde. Bei den Lyrics kann „England Keep My Bones“ mit den bisherigen Alben mehr als mithalten, da mit dem Jammern über das Altwerden endlich Schluss ist, und man erwischt sich während des Hörens auch wie gewohnt ständig dabei, mitgröhlen zu wollen. Die schlichten, punkigen Gitarrensongs, wie das bereits aus Liveauftritten bekannte „I Still Believe“ und der Opener „Eulogy“ sind allerdings nur noch eine von mehreren Facetten. „One Foot Before The Other“ ist sogar etwas dreckiger als die Punk-Folk-Tracks und geht schon in Ansätzen in Richtung Klangwand. Ansonsten driften die Songs teilweise mit schon fast poppigen Arrangements etwas von der Ideallinie ab und Frank Turner ist kurz davor, einen Teil seiner Glaubwürdigkeit zu verlieren. Da man aber trotz der leichten Überproduktion spürt, dass die Songs live in einer abgespeckten Version wohl funktionieren sollten, fällt das nicht allzu sehr ins Gewicht. Desweiteren gibt es mit „Rivers“ einen Ausflug in die Klangwelt von Traditionals und mit „English Curse“ sogar einen Song ohne jeglichen Instrumenteneinsatz, dafür aber mit einem schönen Trip in die Zeiten von Willam dem Eroberer. Der letzte Song „Glory Hallelujah“ ist erfreulich ketzerisch und wird wohl die neue Atheismushymne:

There is no God,
So clap your hands together,
There is no God,
No heaven and no hell.
There is no God,
We're all in this together,
There is no God,
So ring that victory bell.

Die textliche Weiterentwicklung auf „England Keep My Bones“ steht einer musikalischen Suche gegenüber, die nicht immer zielführend ist und auf die man auch ruhig hätte verzichten können. Nach mehreren Durchgängen verflüchtigt sich dieser Eindruck und die einzelnen Teile fügen sich besser ineinander, wodurch Frank Turner fast an das Niveau von „Love Ire & Song“ herankommt. So, ich brauche jetzt dringend mal ein Bier.

Marcel Eike

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