Rezension

Father John Misty

Fear Fun


Highlights: Nancy From Now On // I'm Writing A Novel // Hollywood Forever Cemetery Sings // Everyman Needs A Companion
Genre: Folk // Folk-Rock // Blues // Psychedelic // Pop
Sounds Like: J. Tillman // Harry Nilsson // Damien Jurado // Fleet Foxes // Daniel Rossen

VÖ: 27.04.2012

„I never liked the name Joshua, I got tired of J“ singt J. Tillman im Schlusstrack seines neuen Albums. Genau genommen ist es aber gar nicht mehr Tillman, der hier singt, es ist „Father John Misty“, Alter Ego und neues musikalisches Sprachrohr des ehemaligen Fleet-Foxes-Drummers.

Auch wenn der Albumtitel etwas anderes suggerieren mag, Father John Misty hat keineswegs Angst davor, Spaß zu haben. So quietschbunt wie das Albumcover und die aktuellen Pressefotos sind, erscheint nun auch häufig seine Musik, allerdings nur für Tillmans Verhältnisse. Keine Sorge, dieser Mann weiß, was er tut. So vielseitig wie auf „Fear Fun“ war Tillman jedenfalls noch nie – er zeigt hier, dass seine Stimme es schafft, Verletzlichkeit und Stärke irgendwie unter einen Hut zu bringen, also nicht nur für karge traurige Folksongs geeignet ist. Die musikalische Farbpalette Tillmans umfasst nun sehr viel größeres Spektrum als früher. Auf „Fear Fun“ findet man flotte, fast schon tanzbare Songs wie das wunderbare „Writing A Novel“, zuckersüße, glitzernde Folk-Pop-Songs wie „You Can Call Me Nancy“ und monumentale, wuchtige Stücke wie „Hollywood Forever Cemetery Sings“, das völlig zurecht die erste Single des Albums wurde. Tillman hatte, wie er selbst sagt, genug von seiner „wound-licking music“. Tillman konnte so nicht weiter Musik machen. Die Schaffenskrise zwang ihn dazu, in sich zu gehen, um schließlich mit Father John Misty den Ausweg zu finden.

Die Entwicklung, die J. Tillman mit seinen letzten Alben durchgemacht hat und die nun mit Father John Misty ein neues Kapitel eröffnet, erinnert ein wenig an Damien Jurado, einen anderen großen Singer-Songwriter unserer Zeit. Dadurch, dass bei beiden mit dem musikalischen Fortschreiten eine Rückbesinnung auf die 60er und 70er des letzten Jahrhunderts einhergeht, schränken sie sich keineswegs ein, sondern finden ganz im Gegenteil dadurch die Möglichkeit, einen Teil ihres Schwermuts abzulegen und ruhigen Gewissens auch einmal fröhlichere Songs zu schreiben. Ähnlich wie Damien Jurado, der uns erst neulich im Interview offenbarte, dass er in seinen Songs Rollen einnimmt und die Texte keineswegs so persönlich sind, wie sie klingen, geht J. Tillman als Father John Misty nun auch ganz bewusst diesen Weg. Allerdings lässt Tillman nie wirklich durchblicken, wie viel Tillman denn nun in Misty steckt. „It’s all of me and none of me“ sagt er. So eingängig „Fear Fun“ auch sein mag, ganz so einfach will es uns Tillman eben doch nicht machen. Was auch immer es mit diesem Father John Misty nun auf sich haben mag, „Fear Fun“ ist ein großartiges Album – vielleicht sogar sein Bestes.

Kilian Braungart

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Video zu "Hollywood Forever Cemetary Sings":

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